Exit in Etappen – 4 Phasen Plan

Exit in Etappen – 4 Phasen Plan

Gestern Nachmittag gab Spaniens Präsident Pedro Sánchez in Madrid die stufenweise Exit-Strategie bekannt, mit der Spanien die Normalität zurückgewinnen will. Gleich zu Beginn verkündete er, dass der Alarmzustand im zweiwöchentlichen Rhythmus bis voraussichtlich Ende Juni verlängert werde. Diese Zwei-Wochen-Etappen dienen dazu, die Lage in den einzelnen Provinzen zu analysieren und das weitere Vorgehen festzulegen. Insgesamt sind vier Etappen vorgesehen, wobei diese nicht synchron spanienweit durchgeführt werden. „Provinzen, die mehr von der Pandemie betroffen sind, werden sicherlich länger brauchen, um in die Normalität zurückzukehren als diejenigen, die weniger COVID-19 Erkrankungen haben“, erklärte er und warb um Verständnis dafür, dass auf die jeweilige Lage vor Ort Rücksicht genommen werden müsse.

Schrittweise, asymmetrisch und koordiniert

Der Rhythmus jeder Provinz richtet sich nach der Kapazität der jeweiligen medizinischen Versorgung, dem Stand der Epidemie, Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum, Bewegungsdaten sowie sozioökonomischen Parametern. Jede Provinz werde nach dem gleichen Maßstab gemessen und entsprechend eingestuft. Deshalb könne der Exit nur asymmetrisch sein. „Wir werden Spanien wieder in Gang bringen, aber unter der Prämisse des Schutzes der Gesundheit und des Lebens der Bevölkerung sowie des Schutzes unserer Gesundheitsversorgung“, erklärte er und betonte, dass die einzelnen Kriterien auf denen die politischen Entscheidungen basieren, öffentlich bekanntgegeben werden. In bestimmten Regionen könnten in Absprache mit den Lokalpolitikern Sonderregelungen in Kraft treten. So wie im Fall von Formentera auf den Balearen und den Kanareninseln La Gomera, El Hierro und La Graciosa, die coronafrei sind und deshalb die Phase 0 überspringen und gleich in Phase Eins eintreten können.

Die Exit-Etappen

Phase 0: Die augenblickliche Phase 0, die für den Rest Spaniens gilt, wird als Vorbereitungsphase betrachtet. Sie beinhaltet neben dem Spielen von Kindern unter freiem Himmel, Spaziergänge, Sport und das Bedienen von Kunden in Geschäften nach Terminabsprachen. Restaurants dürfen Speisen zum Mitnehmen verkaufen, solange nicht im Lokal konsumiert wird. Profisportler und Vereine können auf individueller Basis mit dem Training beginnen.

 

Phase eins: In dieser Phase wird die Öffnung von Geschäften unter Einhaltung von strikten Sicherheitsmaßnahmen erlaubt. Ausgenommen werden große Einkaufszentren.

Restaurants dürfen ihre Terrasse und Außenbereiche öffnen. Allerdings nur zu einem Drittel ihrer eigentlichen Kapazität. Hotels, Pensionen und touristische Unterkünfte dürfen öffnen, müssen aber die Gemeinschaftsflächen geschlossen halten.

Im Bereich des Sports werden Hochleistungszentren unter verstärkten Hygiene- und Schutzmaßnahmen geöffnet und in der Profiliga kann mit dem Training begonnen werden. Für Bürger, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen, wird die Verwendung einer Maske „sehr empfohlen“.

 

Phase zwei: In dieser Phase dürfen Lokale ihren Gastraum öffnen, aber nur mit einer guten Trennung zwischen den Tischen und zu einem Drittel der Kapazität.

Der allgemeine Schulbetrieb wird im September wieder aufgenommen, aber für berufstätige Eltern können Schulen Aktivitäten zur Betreuung von Kindern anbieten und es wird die Universitätsprüfung EBAU durchgeführt.

Kino, Theater oder ein Auditorium können öffnen, wenn nur ein Drittel der Karten verkauft und es zugewiesene Sitzplätze gibt. Ausstellungen, Konferenzen und der Besuch von Denkmälern ist möglich, wenn auch hier nur ein Drittel der normalen Kapazität zugelassen wird. Open-Air-Veranstaltungen werden zugelassen, wenn nicht mehr als 400 Sitzplätze belegt werden und Kirchen dürfen Gottesdienste abhalten, allerdings nur mit halb so vielen Gläubigen.

 

Phase drei: In dieser fortgeschrittenen Phase wird die allgemeine Bewegungsfreiheit gelockert, wobei das Tragen einer Maske außerhalb der eigenen vier Wände und in öffentlichen Verkehrsmitteln nach wie vor empfohlen wird.

Die Kundenfrequenz in Geschäften wird halbiert und eine Mindestdistanz von zwei Metern muss eingehalten werden. Die Belegungskapazität in Restaurants wird leicht erhöht, wobei die Trennung zwischen den einzelnen Tischen gewährleistet sein muss.

Zwei-Wochen-Fahrplan

Jede Phase dauert, nach Einschätzung des Präsidenten mindestens zwei Wochen. In dieser Zeit wird die Entwicklung im jeweiligen Territorium beobachtet und am Ende entschieden, ob die Provinz in die nächste Stufe eintreten kann. Schlimmstenfalls sind auch Rückschritte nicht ausgeschlossen. Sollte die Entwicklung wie geplant positiv voranschreiten, könnte Spanien bis Ende Juni in die Normalität zurückkehren und die Epidemie unter Kontrolle sein.

Ab diesem Zeitpunkt werden die sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen aufgehoben, wobei die epidemiologische Entwicklung weiterhin überwacht wird. Es gelten strenge Hygieneregeln, bis eine Impfung zur Verfügung steht.

 

Es geht los

Wie bereits eingangs erwähnt, können die Inseln Formentera, La Gomera, El Hierro und La Graciosa die Vorbereitungsphase 0 überspringen und werden ab dem 4. Mai in die erste Phase eintreten. Für alle anderen spanischen Provinzen, die die Voraussetzungen erfüllen, beginnt die Phase eins am 11. Mai.

Ab dem  kommenden Wochenende dürfen Menschen, die zusammenleben, spanienweit gemeinsam spazieren gehen und individuell Sport treiben.

 

Soziale Disziplin

Präsident Sánchez betonte, dass bei der Ausarbeitung der spanischen Exitstrategie, internationale Erfahrungen mit verschiedenen Vorgehensweisen berücksichtigt wurden. Ziel sei es, Alltagsleben und die Wirtschaft anzukurbeln, ohne die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu gefährden. Die eigentlichen Protagonisten seien aber die Bewohner selbst. Er appellierte daher an das individuelle Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen und eine allgemeine soziale Disziplin. „Mit unserem Verhalten können wir Leben retten und unser Land zurückgewinnen“.

Im Gegensatz dazu werde unverantwortliches Verhalten individuell bestraft, aber es schadet letztlich allen. „Dieser Öffnungsprozess ist gefährlicher und schwieriger als die Ausgangssperre und erfordert das verantwortungsvolle und disziplinierte Verhalten aller“, meinte er. Das Virus  sei nicht weg und bis es eine Impfung gäbe, müssten wir lernen damit umzugehen und uns vorsichtig verhalten, um die vielen Opfer, die in den letzten sechs Wochen gebracht wurden, nicht zu riskieren.

 

Dankeschön

Der Präsident nutzte seine Ansprache auch, um sich für den aufopferungsvollen Einsatz aller Mitarbeiter im Gesundheitswesen  sowie für das Bemühen und die Opferbereitschaft jedes Einzelnen zu bedanken. Allen Familien, die durch COVID-19 einen Familienangehörigen verloren haben, sprach er sein tiefes Mitgefühl aus und kündigte eine öffentliche Gedenkfeier an, sobald die Situation dies zulässt.

Quellenangaben

Artikel zum Thema Corona-Krise sind sehr transitorisch jedoch zum Zeitpunkt der Publizierung auf dem aktuellen Stand. Änderungen mit Vorbehalt.

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