Forschung nach Impfstoffen – COVID-19

Forschung nach Impfstoffen – COVID-19

Die Corona-Pandemie mit all ihren aktuellen Folgen und Einschränkungen hat dazu geführt, dass kaum ein Impfstoff so sehnsüchtig erwartet wird, wie der gegen das COVID-19. Forscher aus aller Welt, auch in Spanien, arbeiten derzeit auf Hochtouren daran und bleiben dabei in ständigem Austausch. Die Frage ist nicht: Wer wird den Durchbruch erreichen? Sondern: Wie können wir mit vereinten Kräften möglichst schnell erfolgreich sein? Derzeit gibt es mehr als 60 Forschungsansätze. Das Institut für Hygiene und Tropenmedizin in London hat kürzlich bestätigt, das fünf davon erfolgversprechend sind. Vier befinden sich in der ersten Forschungsphase und ein Serum bereits in der zweiten Phase. Das heißt, er wird klinisch am Menschen erprobt. Der Dämpfer, der gleich mitgeliefert wurde: Keiner wird rechtzeitig fertig sein, um diese COVID-Welle zu stoppen. Er soll aber helfen, ein erneutes Aufflackern oder die gefürchtete zweite Welle zu verhindern. Normalerweise dauert es rund ein Jahrzehnt, bis ein Impfstoff entwickelt und zugelassen ist. Anderthalb Jahre um COVID-19 zu bekämpfen, wäre eine Rekordzeit.

Die Forschung in Spanien und weltweit läuft auf Hochtouren. (Archivfoto)
Die Forschung in Spanien und weltweit läuft auf Hochtouren. (Archivfoto)

 

Wissenschaft basiert auf Ausprobieren

Am meisten entwickelt ist derzeit ein Produkt das auf der Basis von der Adenovirus-Übertragung basiert. Es wurde von der chinesischen Firma CanSino in Zusammenarbeit mit der Militärakademie für medizinische Wissenschaften in Peking entwickelt. Schon drei Wochen nach der Testphase I wird dieser Stoff derzeit in einer klinischen Studie in der Testphase II an rund 500 Patienten getestet. Insgesamt sind drei Testphasen nötig, bis ein Impfstoff zugelassen wird.

Ein US-amerikanischer Impfstoff, der auf die Produktion von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 setzt, könnte schon bald in die zweite Phase gehen. Weit fortgeschritten sind auch die Forschungen beim Pharmakonzern Inovio aus Pennsylvania, an der Universität Oxford und am kanadischen Bio-Technologie-Unternehmens Symvivo.

 „Die Entwicklung von Prototypen und Lösungsmodellen geht unglaublich schnell und in einigen Monaten könnten mehrere in der Testphase II sein. Aber bis wir den Stoff so weit entwickelt haben, das er kommerziell nutzbar ist, vergehen noch ein bis anderthalb Jahre. Er wird also erst bei einer möglichen nächsten Welle hilfreich sein“, erklärte Ignacio López-Goñi, Wissenschaftler an der Universität Navarra. Er zeigte sich optimistisch, dass sich unter so vielen Kandidaten, ein brauchbarer Impfstoff herauskristallisieren kann.

„Wir können zwar noch nicht sagen, ob die Antikörper den Menschen wirklich hundertprozentig schützen werden, aber wir hoffen, dass die Wirkung ausreichen wird, um die Symptome zu lindern und die Sterberate zu senken“, erklärt Martina Bécares, Forscherin an der Universidad Autónoma de Madrid. Zweifel hegt sie in Bezug auf die Sicherheit. „Dieser Coronavirus erzeugt sehr viele Zytokine, die das Immunsystem stark angreifen. Wir wissen derzeit nicht, wie sich eine mögliche Impfung auswirken würde. Vielleicht sogar negativ, indem sie die Infektion verstärkt, statt sie zu vermeiden. Dieses Phänomen kennen wir im Englischen als „immune enhancement“ und konnte beispielsweise bei einer Corona-Virus-Infektion bei Hauskatzen beobachtet werden“, erklärte die Bécares der spanischen Zeitung „El Diario“. „Bei der Impfung gegen Denguefieber konnten wir sehen, dass sich bei denjenigen, die die Krankheit mehrfach überwunden haben, die Impfung sehr negativ auswirkte“, ergänzte sie noch. Allerdings bekräftigte sie auch, dass sie dennoch optimistisch sei, dass eine effiziente Impfung gegen COVID-19 gefunden werde. Sie wolle nur darauf aufmerksam machen, dass bei allem Verständnis für eine schnelle Lösung, die Sicherheit der Patienten nicht außer acht gelassen werden darf.

 

Nur nicht voreilig sein

Auch der Epidemiologe Marc Lipsitch warnte kürzlich vor zu großem Übereifer. „Es muss mehr geforscht werden. Wir wissen noch viel zu wenig über diesen Virus. Aber bei dieser Pandemie müssen Entscheidungen mit weitreichenden Folgen schnell getroffen werden, obwohl wir nicht alle Fakten auf dem Tisch haben. Die Menschen müssen verstehen, dass Wissenschaft sich irren kann“, betonte er.

Der Mikrobiologe López-Goñi setzt auf die Forschung von antiviralen Gegenmitteln. „Das ist einfacher zu überprüfen und es ist interessanter, schwererkrankte Patienten zu behandeln. Impfungen sind schwierig. Sie erfordern eine öffentlich-private Zusammenarbeit und vor allem besteht ein Unterschied, ob ich eine Million Dosen Gegenmittel erzeugen muss oder eine Milliarde Impfungen“, meinte er. Risikogruppen werden voraussichtlich vor allem im Visier der Forscher sein. Ähnlich wie die Grippeschutzimpfung besonders Risikogruppen empfohlen wird.

Gerade weil Forschungen dauern und in der Zwischenzeit die Ursache vielleicht schon behoben wird, warnt López-Goñi davor, Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen. Er erinnert diesbezüglich an den US-amerikanischen Forscher Peter Hotez, der 2016 maßgeblicher Leiter einer Forschungsgruppe zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS war. Er stand kurz vor dem Durchbruch. Doch dann verschwand die Krankheit und damit auch die Bereitschaft, weiter in seine Arbeit zu investieren. Kurz vor dem Ziel, zum ersten Mal einen Impfstoff gegen den menschlichen Coronavirus zu erhalten, wurde die Entwicklung eingestellt. „Das darf nicht wieder geschehen. Wir müssen die Impfung wie einen Feuerlöscher sehen, den  wir für den Notfall zu Hause haben. Brauchen wir ihn nicht, umso besser. Aber wenn wir ihn brauchen, haben wir ihn griffbereit. Mit dieser Mentalität investieren wir in Impfungen und Gegenmittel, vergleichbar einer Investition in eine Lebensversicherung“, mahnt López Goñi.

Quellenangaben

Artikel zum Thema Corona-Krise sind sehr transitorisch jedoch zum Zeitpunkt der Publizierung auf dem aktuellen Stand. Änderungen mit Vorbehalt.

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