Drohungen gegen Migranten als Hassverbrechen eingestuft

Drohungen gegen Migranten als Hassverbrechen eingestuft

Eine der Demonstrationen gegen Migranten im Stadtteil Las Rehoyas.

GRAN CANARIA 🇼🇹 | Aufgrund von EinschĂŒchterungen und Angriffen gegen Migranten, die ĂŒber WhatsApp-Gruppen und Foren geplant werden, wurde am Montag eine Untersuchung wegen möglicher Hassverbrechen eingeleitet. Diese brachte die GeneralstaatsanwĂ€ltin von Las Palmas, Beatriz SĂĄnchez, auf den Weg. Dabei sollen vor allem Nachrichten untersucht werden, die vor mehreren Wochen zum Angriff von Migranten aufgefordert haben, die im SĂŒden der Insel in Hotels und FerienunterkĂŒnften untergebracht sind.

Die Insel Gran Canaria erlebt aktuell eine Eskalation der Fremdenfeindlichkeit. Ein Großteil der auf den Kanaren ankommenden Einwanderer ist auf der Insel untergebracht, wobei vor allem die temporĂ€re Umwandlung von Hotels in Auffanglager immer wieder zu Diskussionen fĂŒhrt. Wie schon InselprĂ€sident Antonio Morales MĂ©ndez berichtete , ist unter den Bewohnern Gran Canarias ein GefĂŒhl der Unsicherheit spĂŒrbar, dass durch einige VorfĂ€lle und gewalttĂ€tige Auseinandersetzungen mit Migranten verursacht wurde.

Fehlinformationen und vorschnelle Urteile feuern diese Angst an. In der letzten Woche fanden um die vier Demonstrationen gegen die Anwesenheit von Migranten statt, in drei Stadtteilen von Las Palmas auf Gran Canaria und im touristischen SĂŒden der Insel. Die Regierung der Kanaren kĂŒndigte bereits eine drastische Strafverfolgung bezĂŒglich der rechtsextremistischen Hetze an.

AufwĂ€rtstrend im Rechtsextremismus fĂŒhrt zu Hassverbrechen

Die Organisation SOS Racismo warnt vor der Existenz einer immer grĂ¶ĂŸeren Mehrheit von Menschen, die keine Konsequenzen erwarten, wenn sie Nachrichten mit rassistischen Inhalten und Drohungen senden.

Die Organisation beobachtet seit etwa zehn Jahren einen AufwĂ€rtstrend, was Rechtsextremismus auf der ganzen Welt angeht. Rassistische Kommentare und eine rechtsradikale Ausrichtung von Politikern werden immer mehr als soziale Einstellung gesehen. Laut dem Sprecher des Unternehmens, Mikel AraguĂĄs, kann man diese Art von fremdenfeindlichen Positionen in BĂŒrgern bereits verankern.

Aktuell werden mögliche Hassverbrechen von Mitgliedern von Foren und WhatsApp-Gruppen untersucht, in denen verbale und physische Angriffe gegen Migranten geplant wurden wie bei den VorfÀllen im Januar.

SOS Racismo zufolge wird das Gerichtsverfahren „die Situation nicht wesentlich Ă€ndern“, es ist aber notwendig, die Betroffenen „zu verurteilen und zur Verantwortung zu ziehen“. Diese Diskurse dĂŒrfen nicht normalisiert oder gerechtfertigt werden, wie es beispielsweise bei geschlechtsspezifischer Gewalt der Fall ist.

Demonstration gegen die FlĂŒchtlingslager in El Lasso letzten Samstag.
Demonstration gegen die FlĂŒchtlingslager in El Lasso letzten Samstag.

Gewalttaten gegen Migranten nehmen zu

Die Drohungen, die die Staatsanwaltschaft derzeit untersucht, fĂŒhrten nach der Planung in WhatsApp-Gruppen zu Gewalttaten gegen Migranten. Das von der Stiftung Cruz Blanca verwaltete Lager, eine Schule im Stadtteil El Lasso in Las Palmas, soll wiederholt mit Steinen beworfen und die Bewohner mehrfach bedroht und angegriffen worden sein. Die Stiftung Cruz Blanca berichtete, dass mindestens sieben der Bewohner zwischen Montag und Freitag letzter Woche Opfer von Angriffen wurden. „Nicht genug, Steine ins Lager zu werfen. Nicht genug, unsere neuen Nachbarn mit dem Ruf ‚Terroristen!’ zu empfangen. Schluss den Drohungen und Aggressionen. Kurz gesagt, genug ist genug. Es reicht damit, andere fĂŒr unsere Uneinigkeit mit den politischen Entscheidungen verantwortlich machen“, sagte die NGO in einer ErklĂ€rung am vergangenen Mittwoch.

Rafael, der fiktive Name eines 14-jĂ€hrigen Jungen von den Kanarischen Inseln, erzĂ€hlte kanarischen Medien am vergangenen Samstag, dass er sich oft mit ein paar jungen Marokkanern trifft, die in der Schule in El Lasso leben und spanisch sprechen. In der Nacht der Nachbarschaftsdemonstrationen vor dem Lager musste er vor vier MĂ€nnern fliehen, die mit Stöcken und KnĂŒppeln bewaffnet waren und in einem nahe gelegenen Park seine beiden Freunde angreifen wollten. „Vier MĂ€nner kamen in einem Jeep. Sobald sie ausstiegen, nannten sie‚verdammte Marokkaner‘ und riefen ‚Schwuchteln, raus hier‘. Sie haben angefangen, sie zu schlagen, und mein Freund und ich sind weggelaufen“, sagte er.

„Mir kommt es unfair vor. Vier Marokkaner haben Mist gebaut, und alle zahlen dafĂŒr. Als wir zurĂŒckkamen, um nach meinen Freunden zu suchen, waren ihre Gesichter komplett angeschwollen.“

Polizei: FlĂŒchtlingsstrom hat keinen direkten Einfluss auf KriminalitĂ€t

Die von der Polizei verarbeiteten Daten stĂŒtzen die These nicht, dass die Einwanderer zu mehr KriminalitĂ€t auf den Inseln gefĂŒhrt haben. Nach Angaben von Beamten sind Verbrechen von FlĂŒchtlingen, die mit dem Boot anreisen, weiterhin isoliert. Der Leiter des Untersuchungsgerichts 8 von Las Palmas, Arcadio Diaz Tejera, der auch Aufsichtsrichter des Centro de Internamiento de Extranjeros (Zentrum fĂŒr Integration von AuslĂ€ndern, CIE) ist, bedauert, dass Verbrechen, die angeblich von Einwanderern begangen wurden, so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die Staatsanwaltschaft wird wachsam gegenĂŒber jeglichem fremdenfeindlichen Verhalten bleiben. Sie steht mit der Polizei und der Guardia Civil in Kontakt, um auch vorbeugend weitere ZwischenfĂ€lle zu vermeiden.

Quellenangaben

Lesen Sie auch

Wie interessant oder hilfreich finden Sie diesen Artikel?

Klicke Sie auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 4.5 / 5. Anzahl Bewertungen: 85

Bisher keine Bewertungen! Seien Sie der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil Sie diesen Beitrag nĂŒtzlich gefunden haben...

Folge Sie uns in den sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag fĂŒr Sie nicht interessant oder hilfreich war!

Lasse Sie uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?