Mogán ist ein Pulverfass

Mogán ist ein Pulverfass

Nachbarschafts-Protest diesen Samstag bei einem Hoteleingang in Mogán.

GRAN CANARIA 🇮🇨 | Die Flüchtlingssituation in Mogán spitzt sich enorm zu. Am Samstag mussten drei Transporter sowie zwei Patrouillenfahrzeuge der Guardia Civil ausrücken, um bei einem Hotel, in dem Flüchtlinge weiterhin untergebracht sind, für Ruhe zu sorgen. Eine Gruppe von rund 30 Personen aus der Nachbarschaft hatte sich vor dem Hotel versammelt.

Der Hotelpförtner sah die Gruppe in Richtung Hotel laufen und wusste, wenn er das Tor nicht sofort schließt, gibt es kein gutes Ende. Als die Gruppe vor dem Hotel angekommen war, fielen Sätze wie „Marokkaner raus“, „Ihr seid nur hier, weil ihr Drogen verkaufen wollt“, „Ihr werdet dafür bezahlen ihr Bastarde!“, und „Ihr seid alles Triebtäter!“. Die Hotelleitung informierte umgehend die Guardia Civil, die schnell angerückt kam, um die Lage vor Ort aufzulösen.

Purer Hass gegen Flüchtlinge

Nach Aussagen der Guardia Civil stammen mehrere Personen aus der Gruppe nicht einmal aus der Nachbarschaft und sind aus der rechten Szene bekannt. Daher vermutete die Guardia Civil einen Aufruf zur Hetze, was eine Straftat darstellt. Die Untersuchungen dazu laufen. Aus Befragungen der Protestler konnte die Guardia Civil immer wieder entnehmen, dass sich die Teilnehmer auf die Kundgebung von Santiago Abascal , den Parteivorsitzenden der VOX, in Arrecife bezogen haben.

Ein weiterer Auslöser für diesen Protest war eine Situation am letzten Mittwoch, die von der rechtsnationalen VOX, ebenfalls perfide für die eigenen Zwecke, ausgenutzt worden war: Laut einem zusammengeschnittenen Video soll eine Gruppe junger Leute mit Migrationshintergrund und deren Betreuer, einen einheimischen jungen Mann angegriffen haben, nachdem eine Passantin die Gruppe beleidigte und der Canario die Frau in Schutz nahm. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, wie ein Hausmeister aus einem der Gewerberäume gegenüber El Díario erläuterte. „Der junge Mann (der Einheimische), hatte die Gruppe völlig grundlos beleidigt und beschimpft. Es gab auch keine Passantin oder ähnliches. Der Canario und der Betreuer der Gruppe wurden handgreiflich, woraufhin die Gruppe dazwischen ging, um die zwei zu trennen.“ Die VOX Partei stellte jedoch die Situation ganz anders dar und schüttete damit eine große Menge Öl in das bereits brennende Feuer, dass zurzeit in Mogán herrscht.

Ausgangssperre der Flüchtlinge

Der stellvertretende Direktor für soziale Eingliederung vom Roten Kreuz, José Javier Sánchez Espinosa, reagierte nach der Situation am Samstag umgehend. Zurzeit werden in 12 Hotels immer noch ca. 6.000 Flüchtlinge beherbergt, weil die Regierung die notwendigen Räumlichkeiten noch nicht fertiggestellt hat. Allen 6.000 Migranten wurde die aktuelle Situation erklärt und man bat sie, die Hotels für die nächsten 48 Stunden zu ihrem eigenen Schutz nicht zu verlassen. Am Sonntag wurde vom Roten Kreuz bestätigt, dass alle Flüchtlinge zugestimmt haben und in den Hotels bleiben wollen. Am heutigen Montag werden mit größter Wahrscheinlichkeit Maßnahmen ergriffen, um diese Ausgangssperre zurückzuziehen.

„Die Bürger haben eine komplett falsche Ansicht der Situation. Sie geben den Flüchtlingen die Schuld für alles. Corona, der wirtschaftliche Zusammenbruch, dass die Briten die Kanaren wieder auf ihre Risikoliste gesetzt haben, einfach für alles. Die Schuld tragen wir aber selbst! Menschen, die feiern gehen tragen die Schuld. Bürger, die ohne Masken herumlaufen und sich nie die Hände desinfizieren. Oder die, die einfach alles leugnen, nur weil sie nicht mit der aktuellen Lage zurechtkommen. Die Flüchtlinge haben damit nichts zu tun. Die einzige Schuld, die ihnen zugesprochen werden kann, ist ihre illegale Einwanderung, doch das liegt in der Entscheidungsmacht der Behörden.“, so der stellvertretende Direktor.

Aus einigen politischen Lagern wird bereits diskutiert, ob Santiago Abascal für die Kundgebung und die daraus resultierende Hetze zur Rechenschaft gezogen werden soll. Es ist offensichtlich, dass Mogán ein Pulverfass ist und es nur eine Frage der Zeit bleibt, bis die Zündschnur zu Ende ist. Die Hotels sowie das Rote Kreuz werden sich in dieser Woche mit der kanarischen Regierung über mögliche Lösungen zur Entschärfung der Flüchtlingssituation beraten.

Quellenangaben

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