Flüchtlingskrise Gran Canaria – Inselpräsident platzt der Kragen

Flüchtlingskrise Gran Canaria – Inselpräsident platzt der Kragen

Flüchtlinge, die am Freitag von der Salvamento Marítimo in Arguineguín gerettet wurden.

GRAN CANARIA 🇮🇨 | Antonio Morales Méndez , Inselpräsident von Gran Canaria, hat am Samstag in spanischen Medien Stellung zur Flüchtlingspolitik der Kanaren genommen.

„Ist schon gut, die kanarische Regierung sowie lokale Institutionen zu ignorieren, dieses Land zu misshandeln und die Menschenrechte von Migranten systematisch zu verletzen. Ist schon gut, weiterhin darauf zu bestehen, unsere Insel in ein Gefängnis zu verwandeln und die Situationen von Moria und Lampedusa nachzuahmen. Ist schon gut, die Folgen von Armut, Hunger, Ungleichheit, Pandemie (nur wenige Impfstoffdosen haben die verarmten Länder erreicht), Gewalt, Kriegen, Verfolgungen und Europas langwierige historische Schuld gegenüber Afrika zu ignorieren“, regte sich Morales Méndez dabei auf.

Schon im September habe er vor den gefährlichen Folgen gewarnt, welche die Hass erzeugende Migrationspolitik auf die Inseln bringen könnte. Er verurteilte die Situation in Arguineguín, wo das „Lager der Schande“ entstand. Dies war für 400 Personen vorgesehen, beherbergte aber zeitweise um die 2.600 Flüchtlinge und erntete internationale Kritik.

„Heute wurde das Lager abgebaut, aber leider hat sich die Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert. Mehrere hundert Menschen leben derzeit im Lager Barranco Seco, ohne Wasser, ohne Strom, inmitten von Müll. Es gibt einige, die mehr als 13 Tage dort verbracht haben, obwohl die gesetzliche Obergrenze 72 Stunden beträgt, darunter auch Minderjährige. Ich schließe nicht aus, dass der Inselregierung eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Betracht zieht.“

Zudem würden Migranten nach dem Zwangsaufenthalt in einem der Lager einfach auf die Straßen gesetzt und ihnen bleibe die Weiterreise verwehrt , weil sich die spanische Regierung weiterhin der Verantwortung entziehe.

Flüchtlinge und der geschürte Hass

„Kürzlich haben die Medien über mehrere gewalttätige Vorfälle mit Migranten berichtet. Das war vorhersehbar. Sie können nicht Tausende von Menschen ohne Ressourcen oder Aufmerksamkeit einpferchen und sie in einer Krisensituation wie dieser hilflos zurücklassen. Die Menschen kämpfen ums Überleben, es entstehen Konflikte untereinander und mit der lokalen Bevölkerung. Aufgrund mangelnder Kontrolle ist es unmöglich, diejenigen zu erkennen, die ein konfliktsuchendes Profil haben oder in ihren Herkunftsländern vorbestraft sind.“

Durch diese Auseinandersetzungen kommt es vermehrt zu Angst und Hass in der Bevölkerung Gran Canarias. In sozialen Netzwerken gehen Morddrohungen um, Einwohner organisieren sich , um das Problem auf gewaltsame Weise selbst in die Hand zu nehmen.

„Diese Personen wurden zum Glück bereits verhaftet. Die rechtsextreme Partei, deren Namen ich nicht nennen möchte, hört trotzdem nicht auf, Hass zu schüren und mehr Anhänger zu gewinnen.“

Die mangelnde Verwaltung der Menschenströme, die die Inseln erreichen, sei ein perfekter Auslöser für Hass und Intoleranz. Damit werden Personen begrüßt, die für einen vorübergehenden Aufenthalt über eine gefährliche Meeresroute gekommen sind, die immer wieder Todesopfer fordert. Der Inselpräsident fordert mehr strukturelle Ressourcen für das Migrationsmanagement und die Einrichtung angemessener Lager, da der Menschenzulauf vorerst nicht nachlassen wird. Dazu müssen Maßnahmen für bessere Integration, Sensibilisierung und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit schnellstens mobilisiert werden.

„Langfristig ist eine radikale Änderung der Migrationspolitik unumgänglich“, so Morales.

Quellenangaben

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