Organisierte Gewalt gegen Flüchtlinge geplant

Organisierte Gewalt gegen Flüchtlinge geplant

Ein Foto vom „Lager der Schande“ in Arguineguín, als über 200 Migranten auf die Straße gesetzt wurden. / Archiv

GRAN CANARIA 🇮🇨 | Die Anwohner im Süden der Insel planen über soziale Netzwerke und WhatsApp-Gruppen Aktionen, um „die Insel von Migranten zu bereinigen“.

In den Netzwerken werden Migranten abwertend als Mauren bezeichnet. Dutzende von Drohungen wurden aus WhatsApp-Gruppen bekannt. Nutzer schreiben davon, wie sie Flüchtlinge „fertig machen wollen“, sollten sie welche in Gruppen von vier Personen oder mehr sehen. Nachrichten wie: „Ich sag es ganz klar, Señores. Morgen lassen wir sie hochgehen. Wir haben 15 Leute zusammen bekommen, wir machen sie fertig. Die Mauren werden sterben, ich sag es ganz klar.“

Es gingen sogar privat Drohungen an Personen, die die jeweiligen WhatsApp-Gruppen verlassen haben und sich nicht an dem Hass und der Gewalt beteiligen wollten. Die Polizei ermittelt, um Drohungen, rassistische Äußerungen und Gewaltverbrechen nachzuverfolgen und zu bestrafen.

Ein Screenshot aus einer WhatsApp-Gruppe: „Diese Gruppe wurde vor allem für die erstellt, die betroffen und verärgert über die Massenimmigration sind, von Kriminellen, die keine andere Aufgabe haben als unseren Planeten zu zerstören. Wir in dieser Gruppe sollen ein Heilmittel, für das was passiert ist, weil die Politiker uns ignorieren und ihre eigenen Interessen vor denen der Bürger stellen. Ich hoffe, dass wir bald genug Personen zusammenbringen können, um diese mutwillige Welle des Bösen zu stoppen“.

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Aufruf gegen Flüchtlinge fordert mehr Polizei

Die kanarische Regierungsdelegation hat am Dienstag bekannt gegeben, dass in San Bartolomé de Tirajana die Polizeipräsenz mit 40 Beamten verstärkt wird. Das soll die Unsicherheit minimieren, die in den Gemeinden entstanden ist. Laut der Guardia Civil ist es in den vergangenen Wochen häufiger zu Auseinandersetzungen gekommen.

Die Bürgermeisterin von Mogán, Onalia Bueno, ist mit dieser Maßnahme unzufrieden. Für sie ist es unverständlich, dass 21 Beamte der Guardia Civil Mogán demnächst verlassen sollen, da die Stadt nur 55 Stellen besetzen darf. San Bartolomé de Tirajana sind 300 Beamte zugeteilt, wo nun noch 40 dazu kommen. Laut ihr liegt das Problem vor allem in der Unterbringung von Flüchtlingen in Ferienunterkünften in Mogán. Aktuell sind 2.800 Erwachsene und 600 Kinder in Hotels und Apartments untergebracht, was die Bürgermeisterin mehrfach stark kritisiert hat.

Der Regierungsdelegierte Anselmo Pestana, der die erhöhte Polizeipräsenz verkündet hat, erklärte am Dienstag, dass die Gemeinde in den nächsten Tagen analysiert wird. Basierend darauf werden die 21 Beamten der Guardia Civil bleiben oder ins Hauptquartier in Los Rodeos auf Teneriffa abgezogen. Es könnten bei Bedarf auch andere Beamte der Guardia Civil aus dem Südosten Gran Canarias nach Mogán kommen. Das, so Bueno, sei aber ineffizient. Andere Bereiche der Insel wären dadurch ungeschützt, zudem sei die Anfahrtszeit zu lang, wenn es zu einer Situation kommt, die einen schnellen Eingriff erfordert.

Mehrere Auseinandersetzungen – Anwohner werden unruhig

Am 13. Dezember hatte das Rote Kreuz die 6.000 Migranten, die in Hotels im Süden waren, gebeten, ihre Unterkünfte nicht zu verlassen. Auslöser waren um die 30 Anwohner, die sich vor einem der Hotels versammelt hatten , in dem bekannterweise Flüchtlinge untergebracht waren. Die Situation musste von der Polizei aufgelöst werden.

Teilweise gehen bei der Guardia Civil Anrufe ein, die nichts weiter sind als ein falscher Alarm. Die Bürger werden unruhiger und aufmerksamer, so die Polizei.

Durch soziale Netzwerke und auf Fernsehsendern, lief vor kurzem ein Video von Flüchtlingen, die auf einem Parkplatz im Süden der Insel in einen Kampf verwickelt waren. Die kanarische Regierungsdelegation hat bestätigt, dass mindestens eine der beteiligten Personen schon verhaftet wurde.

Arcadio Díaz Tejera, der zuständige Richter für das Flüchtlingslager Barranco Seco, sagte am Dienstag, dass Migranten aufgrund solcher Geschehnisse nicht über einen Kamm geschert werden sollten. Schwarze Schafe gäbe es überall. Außerdem sei das angespannte und teilweise gewalttätige Verhalten eine direkte Folge der Flüchtlingspolitik der Kanaren. 7.000 Personen auf den Inseln gegen ihren Willen festzuhalten, sie zwei Monate in ein Lager zu stecken, führe zu solchen Reaktionen. Er schlägt vor, den Ankömmlingen mehr Möglichkeiten in den Bereichen Bildung, Sport und kulturelle Aktivitäten zur Verfügung zu stellen.

Kanarenpräsident Ángel Víctor Torres verurteilt jegliches rassistisches und gewalttätiges Verhalten Flüchtlingen gegenüber. Er möchte mit der erhöhten Polizeipräsenz für mehr Sicherheit auf Gran Canaria sorgen.

Quellenangaben

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