Armenien wirft Türkei Einmischung in Konflikt vor

Armenien wirft Türkei Einmischung in Konflikt vor

Der Schauplatz in Bergkarabach fordert hunderte Todesopfer.

BERGKARABACH | Vor rund zwei Wochen kam es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan um die völkerrechtlich nicht anerkannte Republik Bergkarabach.

Armenien wirft der Türkei nun direktes Eingreifen in die Gefechte vor. So berichtete der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan in einer Ansprache, es gäbe „150 hochrangige türkische Offiziere, die die Militäroperationen Aserbaidschans leiten“ würden.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev behauptet hingegen, dass die Türkei zwar ein Verbündeter sei, aber nicht in den Konflikt verwickelt wäre. In einem von seinem Büro veröffentlichten Brief dankte Aliyev dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für seine Unterstützung. Zuvor hatte die Türkei als Zeichen ihrer Solidarität mit Aserbaidschan den Galata-Turm in Istanbul in den Farben der aserbaidschanischen Flagge angestrahlt.

Die Gefechte entwickelten sich zu den blutigsten Kämpfen in der Bergregion seit den 1990er Jahren. Stepanakert, die Hauptstadt Bergkarabachs, steht seit Tagen unter Beschuss Aserbaidschans. Und auch das strategisch wichtige Dorf Madagisin soll die aserbaidschanische Armee erobert haben, wie Aliyev auf Twitter bekannt gab. Die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans, Gandscha, wurde laut aserbaidschanischem Verteidigungsministerium letzten Sonntag von Armenien angegriffen.

Die Minsker Gruppe, die für die Vermittlung Aserbaidschans und Armeniens zuständig ist, forderte ein sofortiges Ende der Gefechte. Auch der russische Präsident Wladimir Putin sprach sich für eine Waffenruhe aus und bot an, zwischen den Staaten zu vermitteln. Dafür trafen heute die Außenminister beider Republiken in Moskau zusammen. Zuvor beriet sich der französische Ministerpräsident Emmanuel Macron mit Paschinjan und Aliyev. Laut dem Élysée-Palast bewegten sich die Konfliktparteien „bald auf einen Waffenstillstand zu, auch wenn die Lage immer noch fragil“ sei.

Aserbaidschan und Armenien kämpfen schon seit dem Zerfall der Sowjetunion um die Region im Südkaukasus. Heute leben mehrheitlich christliche Armenier in dem Gebiet, das offiziell noch zum muslimischen Aserbaidschan gehört.1994 wurde eine Waffenruhe ausgehandelt, die seitdem immer wieder gebrochen wurde. Am 27. September dieses Jahres eskalierten die Auseinandersetzungen erneut. Beide Staaten beschuldigen sich gegenseitig, für den Konflikt verantwortlich zu sein.

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