Deutschland gibt AstraZeneca wieder frei

Deutschland gibt AstraZeneca wieder frei

Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca. / Archiv

DEUTSCHLAND 🇩🇪 | Wie viele andere europäische Staaten, unter anderem auch Spanien, hatte Deutschland in der vergangenen eine vorübergehende Aussetzung des AstraZeneca-Impfstoffs bei Impfungen gegen Covid-19 beschlossen. Aufgrund der Entwarnung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, darf nun wieder mit dem Vakzin geimpft werden.

EMA hält AstraZeneca-Wirkstoff für „sicher und wirksam“

Während Spanien den Impfstoff erst ab Mittwoch wieder einsetzen will, wird in Deutschland schon seit vergangenem Freitag wieder mit dem Vakzin von AstraZeneca geimpft. Einen Tag zuvor hatte die EMA ihre Einschätzung zum Wirkstoff des schwedisch-britischen Herstellers abgegeben.

Nach mehreren Berichten über Sinusvenenthrombosen bei Patienten, die vorher mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft worden waren, entschied das deutsche Gesundheitsministerium, Impfungen mit dem Wirkstoff als Vorsichtsmaßnahme vorerst auszusetzen. „Wir setzen aus, um zu überprüfen.“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für Impfstoffe zuständig ist, traten in Deutschland bei 13 Personen Thrombosen in zeitlicher Nähe zu einer Impfung auf. Bis zum Impfstopp wurden in der Bundesrepublik über 1,6 Millionen Impfungen mit AstraZeneca durchgeführt.

Nachdem die EMA letzte Woche Donnerstag ihre Einschätzung verkündet hatte, entschied die Bundesregierung zusammen mit den Bundesländern und dem Paul-Ehrlich-Institut den Impfstoff-Stopp aufzuheben. Laut EMA sei der AstraZeneca-Wirkstoff „sicher und wirksam“. Bei der Prüfung der Daten der Thrombosefälle habe die Behörde keine Hinweise gefunden, die auf ein erhöhtes, vom Vakzin ausgehendes Risiko für Thrombosen hindeuten. Definitiv konnte eine Verbindung mit bestimmten Fällen jedoch nicht ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund setzt die EMA Prüfungen und Studien zu dem Sachverhalt auch weiterhin fort.

Zukünftig Warnhinweise über Thromboserisiko

Zudem empfiehlt die EMA eine Warnung vor Thrombosen in den Beipackzettel für den Impfstoff mitaufzunehmen. So sollen nun auch in Deutschland Warnhinweise Impfwillige und Ärzte über die Risiken der Impfung aufklären. Besonders auf die Symptome, die auf eine Hirnvenenthrombose hindeuten, soll hingewiesen werden.

Häufig können Kopfschmerzen oder punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute erste Anzeichen für ein solches Blutgerinnsel sein. Zu epileptischen Anfällen, Lähmungen, Sprachstörungen oder sogar einem Schlaganfall kann eine Hirnvenenthrombose auch führen. Das liegt daran, dass Thrombosen zusammen mit einem Mangel an Blutplättchen auftreten. Diese Blutplättchen sind für die Blutgerinnung zuständig. Ein Mangel an ihnen führt zu einer erhöhten Blutungsneigung, wodurch auch die punktförmigen Einblutungen entstehen.

Zusammenhang zur Anti-Baby-Pille noch unklar

Auffällig ist, dass häufiger Frauen als Männer von einer Hirnvenenthrombose nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Wirkstoff betroffen waren. So waren von den 13 Fällen in Deutschland zwölf Frauen unter 55 Jahren. Bei zwei von ihnen verlief die Thrombose tödlich. Der Mann, bei dem auch ein Blutgerinnsel in den Hirnvenen auftrat, starb ebenfalls.

Laut Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), spielen wahrscheinlich Hormone eine Rolle darin warum mehr Frauen von den Thrombosen betroffen seien. Generell käme es am häufigsten in einer späten Schwangerschaft, im Wochenbett oder bei Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnähmen zu einer Sinusvenenthrombose. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Anti-Baby-Pille und einer Thrombose in zeitlicher Nähe zu einer AstraZeneca-Impfung gibt, ist aber noch unklar.

Mögliche Ursache für Thrombose nach Impfung gefunden

Wissenschaftler der Universitäts-Medizin in Greifswald (UMG) haben mittlerweile eine mögliche Ursache für die Komplikationen bei der Impfung mit dem AstraZeneca-Wirkstoff entdeckt. Bei der Untersuchung von sechs Blutproben der 13 Fälle aus Deutschland, bemerkten die Forscher eine Gemeinsamkeit bei allen Probanden. Bei jedem der untersuchten Patienten habe der Impfstoff eine Abwehrreaktion ihrer Blutplättchen aktiviert, was zur Bildung von Hirnthrombosen geführt haben soll. Normalerweise passiere so etwas nur, wenn die Blutgefäße beschädigt seien. Weiterhin wollen die Forscher aus Greifswald aber noch untersuchen, ob diese Reaktion auf das Vakzin zurückgehe oder es sich um eine allgemeine Entzündungsreaktion handele.

Der Mediziner Pal Andre Holme vom Universitätsklinikum Oslo beobachte bereits Ähnliches. Nach seiner Vermutung würden Antikörper, die bei einer starken Immunreaktion entstehen, an die Blutplättchen andocken und diese aktivieren. So würde es zu einem Blutgerinnsel kommen.

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