Fake-News um PCR-Tests und portugiesisches Gerichtsurteil

Fake-News um PCR-Tests und portugiesisches Gerichtsurteil

Vorbereitung eines PCR-Tests. / Archiv

PORTUGAL | Seit etwas mehr als zwei Wochen berichten mehrere unseriöse Onlinemedien darĂŒber, dass ein portugiesisches Gericht die Ermittlung von Covid-19-Infektionen durch PCR-Tests fĂŒr unzuverlĂ€ssig erklĂ€rt habe. Das entspricht jedoch nicht ganz der Wahrheit.

Am 11. November dieses Jahres entschied das Berufungsgericht Lissabon, dass die vom portugiesischen Gesundheitsamt angeordnete Isolation von vier deutschen Urlaubern nicht zulĂ€ssig sei. Darauf hĂ€uften sich Artikel unseriöser und zu Verschwörungstheorien neigender Webseiten, in denen behauptet wurde, das portugiesische Gericht zweifele die Richtigkeit von PCR-Tests an. In ihrer Berichterstattung ließen diese jedoch entscheidende Details des Gerichtsverfahrens aus.

Der Prozess befasst sich mit einem Fall, der bereits in erster Instanz vom Amtsgericht Ponta Delgada behandelt wurde. Dabei ging es um vier deutsche Urlauber, die Anfang August auf die Azoren geflogen waren. 72 Stunden vor Ankunft auf der portugiesischen Inselgruppe wurden die betroffen Personen negativ auf das Corona-Virus getestet, mithilfe von PCR-Tests. Bei einem zweiten PCR-Test auf den Azoren wurde einer der Urlauber jedoch positiv getestet. Das örtliche Gesundheitsamt schickte deshalb alle vier Personen in eine „prophylaktische Isolation“ in getrennten Hotelzimmern. Nachdem die Urlauber nach ĂŒber 16 Tagen immer noch isoliert waren, entschied das Gericht in Ponta Delgada, diese umgehend freizulassen.

Laut Gerichtsurteil kĂ€me die verpflichtende Isolation der Freiheitsberaubung gleich, denn eine Isolation wird, anders als eine QuarantĂ€ne, eigentlich nur bei einem bestĂ€tigten Corona-Fall angeordnet. Die drei negativ getesteten Personen hĂ€tten also nicht isoliert werden dĂŒrfen. Zudem habe das Gesundheitsamt den Urlaubern die VerfĂŒgung lediglich auf Portugiesisch mitgeteilt und auf Anrufe und E-Mails der Betroffenen nicht geantwortet.

In dem Gerichtsprozess ging es also vielmehr um die ZulĂ€ssigkeit der angeordneten Isolation, als um die Richtigkeit von PCR-Tests. Zwar wies das Berufungsgericht in Lissabon darauf hin, dass nicht bewiesen wurde, ob der positiv getestete Urlauber auch wirklich infiziert war. Jedoch lag das nicht daran, dass PCR-Tests per se fehlerhaft wĂ€ren. Sondern, weil der Test nicht von einem Arzt durchgefĂŒhrt wurde.

Das Ergebnis eines PCR-Tests kann auch mal falsch sein. Das liegt dann aber meistens daran, dass unsauber gearbeitet wurde, das Testverfahren beschleunigt wird oder die Ergebnisse falsch interpretiert werden. Daher sind die DurchfĂŒhrung und Auswertung der Tests durch medizinisches Fachpersonal auch unerlĂ€sslich.

Die Polymerase-Chain-Reaction, kurz PCR, gilt als sicherster Corona-Test. Dabei wird Erbinformation des Untersuchten vervielfĂ€ltigt. Diese wird darauf nach Genregionen untersucht, bei den die Gensequenzen des Corona-Virus vorliegen. Mindestens zwei Genregionen mĂŒssen positiv anschlagen, bevor man sicher von einer Infektion mit Covid-19 ausgehen kann. Je öfter die Erbinformation vervielfĂ€ltigt wird, desto eher fĂ€llt der Test positiv aus. Daher gelten Tests, die erst nach 40 Vermehrungszyklen anschlagen, nur als schwach positiv. In so einem Grenzfall, wird der Betroffene ein zweites Mal getestet, um sicherzugehen, ob dieser nun infiziert ist, oder nicht.

Den Fall der vier Urlauber in Portugal kann man nicht auf die meisten Testsituationen ĂŒbertragen und er lĂ€sst auch keine SchlĂŒsse auf die ZuverlĂ€ssigkeit von korrekt angewendeten PCR-Tests zu.

Hinweis der Redaktion

Artikel zum Thema Corona-Krise sind sehr transitorisch jedoch zum Zeitpunkt der Publizierung auf dem aktuellen Stand. Die aktuelle Lage hinsichtlich sÀmtlichen Themen zu Corona können sich jederzeit Àndern.

Bitte beachten Sie das Datum der Publikation, um MissverstÀndnissen vorzubeugen.

Quellenangaben

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