Indien erreicht Corona-Höchstwert

Indien erreicht Corona-Höchstwert

Eine Frau wird auf offener Straße in Indien mit einem Beatmungsgerät behandelt.

INDIEN 🇮🇳 | Die Corona-Lage in Indien spitzt sich immer weiter zu. Täglich erreichen die Neuinfektionen im Land neue Höchstwerte. Seit Anfang der Woche steht der Staat nun auch weltweit an der Spitze der Infektionsstatistik. Das ohnehin unterfinanzierte Gesundheitssystem ist überfordert. In Krankenhäusern fehlt es an Sauerstoff, Medikamenten und Intensivbetten. Mehrere Staaten kündigten daher Hilfslieferungen an die Republik an.

Diesen Donnerstag verzeichnete das indische Gesundheitsministerium etwa 379.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden. Ebenfalls erreichte die Zahl der Corona-Toten den Höchststand. 3.645 Menschen sollen im selben Zeitraum im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sein. Die Gesamtzahl der Toten liegt mittlerweile bei 204.832. Die Dunkelziffer wird von Experten allerdings höher eingeschätzt.

Corona-Mutation möglicher Grund für Infektionsanstieg

Warum die Zahl der Neuinfektionen derart ansteigt ist noch unsicher. Eine Möglichkeit könnte Corona-Mutation B 1.617 sein, die sich seit Ende März in Indien ausbreitet. Bei dieser neuen Variante handelt es sich um eine Doppel-Mutante, in welcher zwei Mutationsmerkmale der britischen und südafrikanischen Mutation gemeinsam auftreten. Sie gilt als ansteckender als der Corona-Wildtyp.

Im Gegensatz zur britischen Variante wurde die indischen Mutanten aber noch nicht von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend eingestuft. Trotzdem steht auch die neue Variante unter der Beobachtung der WHO. So können die hohen Infektionszahlen noch nicht auf die neue Mutante zurückgeführt werden.

„Falsches Gefühl der Sicherheit“ in der Bevölkerung

Auch der leichtfertige Umgang mit den Corona-Regelungen im Land könnte zum Anstieg der Neuinfektionen geführt haben. Da Anfang des Jahres die Zahlen im Land sanken, lockerten die indischen Behörden die Corona-Auflagen, sodass große Hochzeitsfeiern, sowie sportliche und religiöse Veranstaltungen wieder erlaubt waren. Hunderttausende Menschen kamen so zu Wahlveranstaltungen, Criket spielen oder auch dem Pilgerfest Kumbh Mela zusammen. Viele der Besucher trugen keine Masken.

„Die Menschen hatten ein falsches Gefühl der Sicherheit. Keiner wollte mehr Masken tragen“, erklärte der Immunologe Narinder Mehra in einem Interview mit der ARD. „Im Winter sind die Zahlen hier ja weit gesunken, zeitgleich gingen die Zahlen in Europa stark nach oben. Das haben wir unterschätzt“, berichtete er weiter.

Mittlerweile wurden die Corona-Vorschriften in mehreren Bundesstaaten jedoch wieder verschärft. In der Hauptstadt Neu-Delhi gilt eine komplette Ausgangssperre. Hotels und Festsäle im ganzen Land wurden zu Behandlungszentren für weniger schwer erkrankte Patienten umgewandelt.

Krankenhäuser senden Hilferuf

Das indische Gesundheitssystem ist mit der derzeitigen Situation überfordert. In den Krankenhäusern fehlt es an Medikamenten, Betten und Sauerstoff zur künstlichen Beatmung der Corona-Patienten. Obwohl neben LKW nun auch Flugzeuge und Züge für den Sauerstoff-Transport genutzt werden, erhalten die Kliniken oft nicht rechtzeitig Nachschub.

So ging in der Nacht auf vergangenen Freitag in mindestens sechs Krankenhäusern der Sauerstoff zu Neige, bevor die neue Lieferung am nächsten Morgen ankam. Max Healthcare, eine der größten Ketten von Privatkrankenhäusern, schrieb auf Twitter : „SOS – weniger als eine Stunde Sauerstoffvorräte übrig im Max Smart Hospital und Max Hospital Saket“. Die Kliniken sollen über 700 Patienten aufgenommen haben und brauchten schnellstmögliche Unterstützung.

Zudem kommt es in den Krankenhäusern immer wieder zu Bränden, die wahrscheinlich durch explodierende Sauerstofftanks ausgelöst werden. Vergangenen Freitag sollen 13 Corona-Patienten etwa bei einem Brand auf der Intensivstation einer Klinik in der Nähe Mumbais ums Leben gekommen sein.

Hilfslieferungen aus dem Ausland

Aufgrund der drastischen Lage kündigten mehrere Länder wie die USA und Großbritannien an, Indien mit medizinischen Hilfsgütern unterstützen zu wollen. Sogar Pakistan, das traditionell ein angespanntes Verhältnis zu seinem Nachbarstaat hat, will Hilfslieferungen senden.

Auch viele europäische Staaten, wie unter anderem Deutschland, Irland und Frankreich, sicherten Unterstützung zu. Zudem hat die Europäische Union den Zivilschutzmechanismus aktiviert. So will die EU schnellstmöglich Sauerstoff und Arzneimittel nach Indien schicken. Die ersten Hilfslieferungen mit Beatmungsgeräten, Sauerstoffgeräten, Schnelltests und Schutzkleidung aus dem Ausland sind bereits in der Republik eingetroffen.

Quellenangaben

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