Italien stoppt Export von Corona-Impfstoff

Italien stoppt Export von Corona-Impfstoff

Der Export aus Italien für den Corona-Impfstoff nach Australien wurde gestoppt.

ITALIEN 🇮🇹 | 250.000 Dosen des Corona-Impfstoffs des Herstellers AstraZeneca sollten aus der EU nach Australien geliefert werden. Da AstraZeneca den Liefervereinbarungen mit der EU nicht nachgekommen war, stoppte die italienische Regierung den Export der Impfdosen, die in einer italienischen Fabrik hergestellt wurden. Es ist das erste Mal, dass die Ausfuhr von Corona-Vakzinen aus der EU in einen Drittstaat untersagt wird.

EU stimmt Exportstopp des Impfstoffs zu

Aufgrund eines neuen Systems zur Exportkontrolle in der EU, das erst Ende Januar eingeführt worden war, ist der Lieferstopp möglich. Pharmakonzerne, die Lieferverpflichtungen für EU haben, müssen nun eine Ausfuhrgenehmigung für in der EU produzierten Impfstoffe beantragen. Benachteiligt der Hersteller die EU bei den Lieferungen unrechtmäßig, kann die Genehmigung verweigert werden. Exporte in einige Partnerländer der EU, wie Israel, die Schweiz oder die Ukraine, sowie Entwicklungsländer sind von dem System ausgenommen.

Der EU-Mitgliedsstaat, in dem die betreffenden Vakzine produziert wurden, entscheidet über die Ausfuhrgenehmigung. Vorher müssen sie allerdings eine Stellungnahme der EU-Kommission einholen. Im Fall des AstraZeneca-Exports nach Australien stimmt die EU dem Ausfuhrstopp der italienischen Regierung zu. Dennoch betonte die EU-Kommission, dass man Lieferungen nicht stoppen werde, wenn der Hersteller die Verträge mit der EU einhalte.

EU-Sozialdemokraten kritisieren Exportstopp

Der Streit um den Export der Impfdosen bringt die EU in eine verzwickte Lage. Einerseits will die EU, dass die vereinbarte Mengen Impfstoff auch ausgeliefert werden, anderseits möchte sie, dass Pharmakonzerne neue Produktionsstandorte in der EU aufbauen. Während Vakzine aus Großbritannien und der USA kaum bis gar nicht in Drittstaaten exportiert werden, ist die Ausfuhr aus der EU durchaus möglich.

Zudem kritisierten die Sozialdemokraten im Europaparlament den Lieferstopp. Laut Tiemo Wölken, dem gesundheitspolitischen Sprecher der EU-SPD öffne er „die Büchse der Pandora und könnte zu einem globalen Kampf um Impfstoffe führen.“. Während der Corona-Pandemie plädiert er jedoch für „Zusammenarbeit statt Konfrontation“.

Fachpersonal dosiert eine Impfstoff-Dosis. / Quelle: TFA Archiv
Fachpersonal dosiert eine Impfstoff-Dosis. / Quelle: TFA Archiv

AstraZeneca reduzierte Impfstofflieferungen um die Hälfte

AstraZeneca kam bisher nicht den mit der EU vertraglich zugesagten Mengen an Vakzinen nach. Statt der vereinbarten 80 Millionen Impfdosen, wurden nur 40 Millionen in die EU-Staaten geliefert. So kamen Gerüchte auf, dass der britisch-schwedische Pharmakonzern seine in der EU produzierten Vakzine an Drittstaaten anstatt in die EU liefern würde. Konzernchef, Pascal Soriot dementierte diese Anschuldigungen. Laut einer Stellungnahme von AstraZeneca vom 27. Januar, seien die Lieferengpässe auf technische Probleme zurückzuführen. Zu den jüngsten Entwicklungen wollte sich das Unternehmen noch nicht äußern.

Exportanträge anderer Impfstoff-Hersteller, wie BioNTech/Pfizer und Moderna , wurden genehmigt. Anders als AstraZeneca sollen sie sich an die vertraglich vereinbarten Liefermengen halten.

Australien bittet EU um Hilfe

Die australische Regierung bat die Europäische Kommission um Hilfe im Streit um die Ausfuhrgenehmigung. So teilte der australische Gesundheitsminister Greg Hunt mit, dass sie die EU-Kommission um eine Überprüfung des Exportstopps gebeten hätten. Der australische Premierminister Scott Morrison zeigte aber auch Verständnis für die Entscheidung der italienischen Regierung. „In Italien sterben etwa 300 Menschen am Tag. Sie befinden sich in einer unkontrollierbaren Krisensituation. In Australien ist das noch nicht der Fall“, erklärte Morrison laut Medienberichten.

Exportstopp ist kein „feindseliger Akt“

Zudem betonte der italienische Außenminister Luigi Di Maio auf Facebook , dass die Verweigerung der Ausfuhrgenehmigung „kein feindseliger Akt gegen Australien“ sei. Die Verzögerungen bei den Lieferungen der Vakzine in der EU hält er hingegen für „nicht akzeptabel“. Aufgrund des herrschenden Impfstoffmangels in der EU, seien eine Viertelmillion exportierte Impfdosen zu viel, schrieb er weiter.

Wer nun die nicht ausgelieferten Impfdosen erhält, ist noch nicht klar. Vorerst bleiben sie im Besitz von AstraZeneca.

Quellenangaben

Wie interessant oder hilfreich finden Sie diesen Artikel?

Klicke Sie auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 4.8 / 5. Anzahl Bewertungen: 73

Bisher keine Bewertungen! Seien Sie der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil Sie diesen Beitrag nützlich gefunden haben...

Folge Sie uns in den sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für Sie nicht interessant oder hilfreich war!

Lasse Sie uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?