Zweiter Lockdown spaltet die israelische Bevölkerung

Zweiter Lockdown spaltet die israelische Bevölkerung

Provisorisches Ärztezelt in Israel um Abstriche durchführen zu können.

ISRAEL | Während der erste Lockdown Israels im Frühjahr noch für seine schnelle Durchführung und strikten Regelungen gelobt wurde, stößt die zweite Ausgangssperre, die Mitte September verhängt worden war, auf großen Unmut in der Bevölkerung.

Nachdem die Zahlen der Neuinfektionen in Israel massiv anstiegen waren, mussten die meisten Geschäfte, Restaurants und Schulen wieder schließen. Nur zwingend notwendige Betriebe dürfen weiterhin öffnen. Auch privaten Besuch zu empfangen und sich mehr als einen Kilometer vom eigenen Wohnort zu entfernen ist derzeit nicht erlaubt.

Viele Bürger Israels verärgert der erneute Lockdown. Besonders stören sie sich daran, dass die Regelungen nicht nur in sehr stark betroffenen Regionen, sondern im ganzen Land, verhängt wurden. Denn in Regionen, in denen ultraorthodoxe Gemeinschaften leben, ist die Infektionsrate deutlich höher als in anderen Städten und Gemeinden. Premierminister Benjamin Netanjahu wird daher vorgeworfen, einen landesweiten Lockdown verhängt zu haben, um seine politischen Partner nicht zu verärgern. So lehnte unter anderem Israels Innenminister, Meschulam Nahari, der der ultraorthodoxen Partei „Schas“ angehört, einen regionalen Lockdown ab. Auch das Verbot, sich vom eigenen Wohnort nicht mehr als einen Kilometer wegzubewegen, erntet viel Kritik. Netanjahu wird vorgeworfen, er hätte diese Regelung verhängt, um Proteste gegen ihn zu unterbinden, die seit Juni jeden Samstag in Jerusalem stattfinden.

Der Unmut der Bevölkerung richtet sich nicht nur gegen die Regierung, sondern auch gegen einige Mitbürger. So sind einige ultraorthodoxe Israelis der Meinung, Partys und Demonstrationen hätten zu den hohen Infektionszahlen geführt. Teile der Bevölkerung geben wiederum dem engen Zusammenleben in ultraorthodoxen Gemeinschaften die Schuld. Bald könnte sich die Lage aber entspannen. Denn ab Sonntag werden einige Maßnahmen gelockert. Kleinere Geschäfte ohne Publikumsverkehr, Kindergärten und Vorschulen dürfen wieder öffnen und auch Restaurants dürfen Mahlzeiten zur Abholung anbieten. Versammlungseinschränkungen bleiben zwar bestehen, doch das Verbot, seinen Wohnort nicht mehr als einen Kilometer zu verlassen, wird aufgehoben. Die Regelungen werden jedoch nur auf Probe gelockert. In zwei Wochen will die Knesset die Situation neu bewerten.

Quellenangaben

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