Corona-Impfpass löst eine Kontroverse aus

Corona-Impfpass löst eine Kontroverse aus

Der Reise-Impfpass ist beschlossene Sache, jedoch sind viele Aspekte ungeklärt.

KANAREN 🇮🇨 | Die Kanarischen Inseln wollen den umstrittenen Corona-Impfpass einführen, um den Tourismus wieder anzukurbeln. Dieser würde Personen, die gegen COVID-19 geimpft sind, gewisse Privilegien geben, beispielsweise den Entfall der Quarantänezeit oder der Testpflicht.

Das kanarische Ministerium für Tourismus, Handel und Industrie unter der Leitung von Yaiza Castilla hat dem Gesundheitsamt eine Anfrage zu dieser Initiative vorgelegt, um die Machbarkeit zu analysieren. Auch die spanische Zentralregierung überprüft die Möglichkeit eines Impfpasses.

Laut Reyes Maroto, Tourismusministerin der Zentralregierung, wird bereits seit Anfang Februar an einem Impfpass-Plan gearbeitet . Dieser soll auf einer europäischen Ebene entwickelt werden, weshalb Spanien mit der Union und anderen Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammenarbeitet.

Die Balearen haben sich schon als Testgebiet für den Einsatz eines Corona-Impfpasses angeboten. Währenddessen entfällt in Madeira in Portugal bereits die PCR-Testpflicht für nachweislich gegen COVID-19 geimpfte Personen. Auch unter anderem in Polen, Rumänien, Estland und Georgien können Reisende durch eine Impfung profitieren.

Kanarenpräsident Ángel Víctor Torres hat sich ebenfalls für einen Impfpass ausgesprochen: „Es ist notwendig, Mechanismen zu finden, damit diejenigen, die geimpft sind, reisen können. Wir müssen uns auf globaler Ebene einigen, damit wir keine Zeit verschwenden. Der Schlüssel, um den Tourismus zu genießen, ist Mobilität“, betonte er.

Corona-Impfpass entfacht Diskussionen

Das Konzept eines Corona-Impfasses ist seit seiner Einführung umstritten – medizinisch und ethisch. Obwohl nachgewiesen ist, dass eine Impfung die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs deutlich verringert, ist bisher nicht nachgewiesen, ob Geimpfte nicht trotzdem weiterhin ansteckend sein können. In vereinzelten Fällen kam es außerdem dazu, dass vollständig geimpfte Personen sich erneut infiziert hatten, mit einer mutierten SARS-CoV-2 Variante.

Amós García, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Prävention der Generaldirektion für öffentliche Gesundheit der Kanaren und Präsident der spanischen Impfvereinigung, nannte Gründe, weshalb ein Impfpass schwierig ist: Man wisse nicht, ob der Impfstoff eine Infektion verhindert. Dann ist der Impfstoff zudem nicht obligatorisch. Man könne niemanden zwingen, sich impfen zu lassen. Und: Überwiegend Personen aus reichen Ländern haben Zugriff auf den Impfstoff. „Wir würden eine weitere Kluft zwischen reichen und armen Staaten schaffen“, so García. Außerdem wurden in klinische Studien keine Minderjährigen mit einbezogen, weshalb für diese bisher keine Impfung vorgesehen ist. „Von einem beruflichen Standpunkt kann ich es nicht nachvollziehen”, ergänzte er.

Diesen Standpunkt teilte auch María del Carmen de la Fuente Hontañón, Vizepräsidentin der spanischen Vereinigung für Bioethik und medizinische Ethik : „Wir dürfen nichts überstürzen und es ist wichtig zu bedenken, dass nicht alle Menschen gleich auf dieses Virus reagieren. Ein Impfpass erfasst nicht den aktuellen Stand der Wissenschaft. Wir haben keine Möglichkeiten, um die Ansteckungsfähigkeit einer Person zu kennen, wenn sie sich mit COVID-19 infiziert… Es ist wichtig zu wissen, wie es jedem einzelnen geht und welchen Immunstatus jeder Patient hat, da dieses Virus sehr unterschiedlich wirkt“, sagte sie.

Die WHO bestätigte, dass der Zugang zu Impfstoffen weltweit begrenzt ist, vor allem in Entwicklungsländern. Mehr als 90 Prozent der Länder, die mit dem Impfen angefangen haben, sind wohlhabend. Die Einführung eines Impfpasses könnte dazu führen, dass die begrenzte Anzahl von Impfdosen nicht fair auf globalem Level verteilt wird und der weltweiten Gesundheit im Weg steht.

Der Südflughafen 'Reina Sofia' auf Teneriffa, wo eine Corona-Impfung zukünftig die Reisebedingungen beeinflussen könnte.
Der Südflughafen 'Reina Sofia' auf Teneriffa, wo eine Corona-Impfung zukünftig die Reisebedingungen beeinflussen könnte.

Corona-Impfpass muss auf europäischem Level entwickelt werden

Die Londoner Zeitung The Economist veröffentlichte Ende Januar, dass mehr als zwei Drittel der Briten für einen Impfpass sind. Auch Griechenland, Zypern, Portugal und Malta haben sich bereits dafür ausgesprochen, freies Reisen für Corona-Geimpfte ermöglichen zu wollen.

José María Mañaricúa, der Präsident der FEHT in Las Palmas , sagte, dass eine Reaktivierung vom Tourismus aber nur dann stattfinden kann, wenn eine Herdenimmunität erreicht ist. Der Impfpass würde nur dann Sinn haben, wenn die Europäische Union eine gemeinsame Entscheidung trifft, die für alle gilt. Sonst würde das Konzept nur auf taube Ohren stoßen, wie schon mit den unterschiedlichen Regelungen zu Quarantäne und Testpflicht von Land zu Land.

Deutschland ist nicht überzeugt

Vor einer Woche sprach die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema des Impfpasses an: „Solange die Zahl der Geimpften noch so viel kleiner ist als die derjenigen, die auf die Impfung warten, sollte der Staat beide Gruppen nicht unterschiedlich behandeln.” Allerdings könne sich die Regierung wenig einmischen, wenn es um private Vertragsverhältnisse gehe. Wenn erstmal genug Impfangebote vergeben wurden und sich einige Personen nicht impfen lassen wollen, müsse man überlegen, ob es in einigen Bereichen nicht nur Zugänge für Geimpfte geben sollte. Vorerst müsse aber festgestellt werden, ob Geimpfte nicht weiterhin ansteckend sind.

Gerade zu diesem Punkt gibt es interessante Neuigkeiten aus Israel, wo schon fast die Hälfte der Bevölkerung geimpft wurde. Eine Studie des Gesundheitsministeriums zeigt, dass der Pfizer-BioNTech-Impfstoff das Ansteckungsrisiko um 89,4 Prozent verringert und zu 94 Prozent Corona-Symptome für Geimpfte ausschließt. Im Rahmen der Studie, die im US-Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, sind Daten von 1,2 Millionen Menschen ausgewertet worden. Ausreichend seien diese Ergebnisse laut Experten aber noch nicht. Auch von AstraZeneca gibt es neue Erkenntnisse. Dieser Impfstoff hat bei 5,4 Millionen in Schottland dafür gesorgt, dass das Risiko einer Krankenhauseinweisung bei Covid-19 bereits nach der ersten Impfung um bis zu 94 Prozent reduziert werden konnte.

Der deutsche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, dass ein digitaler Impfpass schon vor der Pandemie für das Jahr 2022 geplant war. Die Entwicklung dessen soll aufgrund der aktuellen Lage nun vorgezogen werden.

Hinweis der Redaktion

Artikel zum Thema Corona-Krise sind sehr transitorisch jedoch zum Zeitpunkt der Publizierung auf dem aktuellen Stand. Die aktuelle Lage hinsichtlich sämtlichen Themen zu Corona können sich jederzeit ändern.

Bitte beachten Sie das Datum der Publikation, um Missverständnissen vorzubeugen.

Aktuelle Informationen zum Thema Corona auf den Kanaren sowie den geltenden Einschränkungen und aktuelle Corona-Zahlen, erhalten Sie auf unserer Corona-Informationsseite .

Quellenangaben

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