Corona-Situation aus Gran Canaria

Corona-Situation aus Gran Canaria

Haupteingang von dem Gesundheitszentrum Cueva Torres auf Gran Canaria.

Die Ärztin Débora Pita aus dem Gesundheitszentrum in Cueva Torres auf Gran Canaria äußert sich zu der aktuellen Corona-Situation und bezeichnet diese als Tsunami. Gran Canaria ist zurzeit trauriger Vorreiter mit den meisten Neuinfektionen auf den Kanaren. Die aktuellen Corona-Zahlen zeigen 3.702 diagnostizierte positive Fälle und davon sind 2.899 noch aktiv (Stand: 31.08.2020, 14:00 Uhr/Quelle Gobierno de Canarias).

Im Gesundheitszentrum in Cueva Torres sind 140 aktive Fälle die zurzeit in Behandlung sind. „Wir sind körperlich sehr müde und emotional demoralisiert“, sagt die Ärztin. Die Situation fordert uns nicht nur im medizinischen Behandlungsbereich, sondern auch im bürokratischen Sektor. Follow-Up Anrufe mit den Patienten, die sich zu Hause in Quarantäne aufhalten sowie Registrierungen, Übermittlungen der aktuellen Lageberichte und Verschreibungen von Rezepten, die eine Untersuchung voraussetzen, seien ebenfalls in der Verantwortung der Teams.

Die Hälfte der Belegschaft sei im Urlaub. Das wurde vom Gesundheitsministerium empfohlen, weil zu diesem Zeitpunkt niemand mit solchen Zahlen gerechnet habe. Freie Stellen sein aufgrund der schlechten Konditionen oder Arbeitsbedingungen nicht besetzt und sogar Ärzte seien infiziert und isoliert. „Wir stehen diesem Tsunami der Arbeitsprozesse und Neuinfizierungen alleine gegenüber, ohne eine Unterstützung der Verwaltung oder dem Management“, erklärt Dr. Pita. Die Ärztin hatte zu Beginn das Gefühl, dass es nur in ihrem Zentrum so zugeht. Im Austausch mit anderen Ärzten auf anderen Inseln, stellte sie jedoch fest, dass es überall so aussieht.

Dr. Rosa Mozón aus dem Gesundheitszentrum Schamann ergänzt: „Wir sind alle am Anschlag der menschenmöglichen Kapazität. Wir brauchen Hilfe, um die anfallenden bürokratischen Angelegenheiten ebenfalls erledigen zu können. Durch die fehlende Unterstützung leiden die Behandlungen. Es darf nicht sein, dass die persönliche Untersuchung eines Patienten eine Wartezeit von 15 Tagen voraussetzt. Eine Analyse für einen Befund, der normalerweise drei Tage dauert, benötigt jetzt bis zu 45 Tage“, klagte Dr. Mozón.

Alltag im Gesundheitszentrum

Die Mediziner fordern Unterstützung von den Behörden, aber auch Hilfe der Bevölkerung. Beispielhaft berichtet Dr. Pita über eine alltägliche Situation aus einem Follow-Up Anruf und einer Sitzung mit einem positiv diagnostizierten Neupatienten.

 „Ich versuchte eine infizierte Frau zu erreichen, um nachzufragen, wie es ihr geht, damit im Zweifelsfall weitere medizinische Schritte eingeleitet werden können. Die Patientin nahm den Anruf entgegen und sagte, dass sie keine Zeit habe und legte auf. Ich habe die zweite hinterlegte Rufnummer angerufen, wo die Großmutter der Patientin am Telefon war. Diese erzählte mir, dass die Patientin mit ihrem Freund spazieren ist. Ich habe dementsprechend den Freund angerufen und er erklärte mir, dass es zu Hause in der Isolation einfach schrecklich sei und sie doch nur ein wenig am Strand spazieren wären. Wir haben keine Zeit, um solchen Menschen Eigenverantwortung beizubringen.“

Eine der Krankenschwestern erzählt: „Ein Jugendlicher, der in einer Untersuchung war und positiv diagnostiziert wurde, ist über die notwendige Maßnahme der Quarantäne aufgeklärt worden. Er sagte, dass er keine einzige Maßnahme oder Regel einhalten werde. Er gehe raus und mache normal weiter wie bisher. Der Virus sei ja nicht tödlich. Seiner Meinung nach hätten auch viele andere Menschen diese Einstellung. Dazu käme, dass sein Vater Richter sei und keiner ihm was anhaben könne. Der Jugendliche verließ das Behandlungszimmer, ohne eine Sekunde an die anderen gedacht zu haben. Jeder, der die Anweisungen oder die Maßnahmen nicht einhält, schadet dem ganzen Prozess und überfordert unsere Kapazitäten. Wir bitten alle, denkt nicht nur an euer Eigenwohl, sondern an alle anderen. Die anderen Menschen, die Ärzte und das Fachpersonal. Hört auf, so ignorant zu sein. Ihr schadet uns allen und wir haben keine Zeit Polizist zu spielen. Alle wollen erwachsen sein und verhalten sich wie kleine trotzige Kinder.“, sagte die Krankenschwester zum Abschluss. Die Ärzte und das Fachpersonal sind am Ende der menschenmöglichen Kapazitäten angekommen, wenn diese Personen ausfallen sind weitere Katastrophen vorprogrammiert.

Quellenangaben

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Artikel zum Thema Corona-Krise sind sehr transitorisch jedoch zum Zeitpunkt der Publizierung auf dem aktuellen Stand. Änderungen mit Vorbehalt.

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