Häusliche Gewalt: Aktuelle Studie für die Kanaren

Häusliche Gewalt: Aktuelle Studie für die Kanaren

Kika Fumero erläutert, dass häusliche Gewalt oft von sexistisch geprägten Denkmustern inspiriert ist.

KANAREN 🇮🇨 | Machismus: die Verherrlichung der Dominanz des Mannes und die konsequente Unterordnung der Frau. Die Tragweite dieses Wortes, das aus dem Spanischen kommt, wurde in einer Studie der kanarischen Regierung untersucht: 18 Prozent der jungen kanarischen Männer bestreiten, dass es überhaupt sexistische Gewalt gäbe. 22 Prozent gaben aber zu, dass sie selbst häusliche Gewalt gegen Frauen ausüben oder schon mal ausgeübt haben.

Die Direktorin des Instituto Canario de Igualdad (Kanarisches Institut für Gleichstellung) Kika Fumero sprach dieses Thema am Mittwoch auf einer Pressekonferenz an. Diese Zahlen zeigen, so Fumero, dass der Diskurs wohlbekannt ist, aber immer noch nicht zu einem sozialen Standard geführt hat, in dem keine „Machos“ vorherrschen und dafür gesunde, ausgeglichene Beziehungen geführt werden. Während des Corona-Lockdowns sind noch mehr Fälle von häuslicher Gewalt bekannt geworden, die weiterhin durch Männer als Aggressoren geprägt sind.

Die 18 Prozent der Teilnehmer, die die bloße Existenz von sexistisch inspirierter, häuslicher Gewalt gegen Frauen bestreiten, nennen andere Gründe für solche Begebenheiten. Sexismus gäbe es nicht oder sie sei nur ein kleines Problem. Sie sagen, die häusliche Gewalt werde auf jeden Fall von den Frauen selbst mit ihrem Verhalten und ihren Einstellungen verursacht.

Die meisten jungen Männer, sagte Fumero, wissen zwar über den Diskurs der geschlechtlichen Gleichstellung Bescheid, haben sich aber noch nicht klar dazu positioniert. Heutzutage sind Theorien und Grundsätze der geschlechtlichen Gleichheit zwar bekannt und anerkannt, in der Praxis werden von Dominanz und Macht inspirierte Stereotypen, Rollen und Beziehungen jedoch weiterhin reproduziert.

Häusliche Gewalt gegen Frauen: Männer müssen Verantwortung zeigen

Eine Herausforderung ist es, dass Männer ihre Verantwortung anerkennen müssen, so Fumero. Sie sollten Verbündete im Kampf gegen häusliche Gewalt werden, denn sie sind schließlich Lebenspartner. Die Direktorin sagte, dass die Ergebnisse der Studie nicht nur negativ interpretiert werden müssen: 82 Prozent der jungen Männer erkennen die Existenz geschlechtsspezifischer Gewalt immerhin an. Und die 22 Prozent, die angaben, dass geschlechtsspezifische Gewaltpraktiken in ihren Beziehungen vorherrschen, haben diese als solche erkannt.

Junge Männer, die an geschlechtliche Gleichstellung glauben, lehnen traditionelle Rollen ab und können dadurch die Ansätze von „machistischem“ Verhalten und der daraus entstehender häuslicher Gewalt besser erkennen und vermeiden, erklärte die Direktorin.

70 Prozent der jungen Frauen haben Fälle von häuslicher Gewalt miterlebt

Auf der anderen Seite der Umfrage haben 70 Prozent der jungen Frauen bereits Fälle von häuslicher Gewalt miterlebt, 20 Prozent waren selbst Opfer dieser und 40 Prozent halten es für ziemlich oder sehr wahrscheinlich, dass sie irgendwann in ihrem Leben Teil dieser Statistik werden.

Trotzdem gibt es unter den kanarischen Jugendlichen festsitzende sexistische Denkmuster.  Die befragten Frauen gaben an, sich der Existenz von Sexismus sehr bewusst zu sein. Obwohl sie zwar traditionelle weibliche Stereotype für sich selbst stark ablehnen, wird das traditionelle männliche Modell eher akzeptiert. Aus der Befragung geht hervor, dass es weiterhin Standard ist, dass der Mann die Initiative ergreifen muss, die Aufgabe der „Eroberung“ hat und dabei nicht unbedingt die Wünsche seines Gegenübers respektiert. Dazu kommt, dass 40 Prozent der Befragten Pornografie als Hauptquelle für das Erlernen von sexuellen Praktiken nutzen.

Fumero sagte, dass Frauen im Diskurs zu geschlechtsspezifischer Gewalt konfrontativer werden sollten. Dabei sollten sie sich gegenseitig als Verbündete betrachten, nicht als Rivalinnen. Auch Männer sollten Verbündete werden, ein Großteil der Verantwortung liege immerhin auf ihrer Seite.

Durchführung der Umfrage zu geschlechtsspezifischer Gewalt

Die Umfrage mit dem übersetzten Titel „Diagnose der Wahrnehmung und Einstellung kanarischer Jugendlicher gegenüber geschlechtsspezifischer, häuslicher Gewalt“, wurde in der Zeitspanne von etwa einem halben Jahr durchgeführt. Dabei wurden 1.209 Männer und 1.179 Frauen zwischen 18 und 29 Jahren befragt. Es gab auch 26 Interviews und 8 Fokusgruppen, an denen 40 Männer und 46 Frauen teilnahmen.

Quellenangaben

Wie interessant oder hilfreich finden Sie diesen Artikel?

Klicke Sie auf die Sterne, um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 4.8 / 5. Anzahl Bewertungen: 133

Bisher keine Bewertungen! Seien Sie der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil Sie diesen Beitrag nützlich gefunden haben...

Folge Sie uns in den sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für Sie nicht interessant oder hilfreich war!

Lasse Sie uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?