Über 100 Makro-Plastik-Partikel in einer Schildkröte

Über 100 Makro-Plastik-Partikel in einer Schildkröte

Die Karettschildkröte, die Anfang Mai am Strand Playa de Las Canteras in Las Palmas mit zwei abgestorbenen Nagelspitzen an den Vorderflossen gerettet worden war, hatte mehr als 100 Plastik-Makro-Partikel in ihrem Körper. Noch nie wurde so viel Plastik im Körper einer einzigen Meeresschildkröte auf den Kanaren festgestellt. Alle geretteten Meeresschildkröten werden dank eines spezifischen europäischen Projekts, an dem die Länder Portugal, Spanien, Frankreich, Griechenland, Türkei, Tunesien und Großbritannien teilnehmen, automatisch auf Plastikrückstände untersucht, um die Schildkröten als Indikator für die Meeresverschmutzung mit Plastikpartikeln zu nutzen.

Das Projekt begann im Jahr 2017 und konzentrierte sich zunächst auf Plastik im Magen- und Verdauungstrakt der Tiere und wurde nun bis 2021 verlängert. Zudem wurde es dahingehend erweitert, das nun auch untersucht wird, wie viele Gliedmaßen durch Plastikmaterialien und Netze stranguliert werden und welche Materialien dies verursachen. „In den Kanarischen Gewässern sind die Meeresschildkröten vor allem durch Fischernetze und Bastsäcke gefährdet“, erklärte dazu die Biologin Patricia Ostiategui. 

Im letzten Jahr wurden Untersuchungen an 28 lebenden Meeresschildkröten vorgenommen, die sich in der Wildtierauffangstation Taliarte von ihren Verletzungen erholt haben, sowie an zehn toten Exemplaren. In diesem Jahr ist erst diese eine Meeresschildkröte untersucht worden, da alle anderen in weniger als einem Monat wieder in die Freiheit entlassen wurden. Ein einmonatiger Aufenthalt ist die Grundvoraussetzung, um diese Untersuchung durchführen zu können. Denn um den Plastikgehalt im Körper eines lebenden Tieres festzustellen, muss das Wasser des Beckens, in dem sie sich erholen und ihre Fäkalien absetzen, gefiltert und auf Plastikanteile untersucht werden. Bei Meeresschildkröten, die verstorben angeschwemmt werden, ist die Untersuchung einfacher, weil der gesamte Magen-/Darmtrakt entnommen werden kann.

Warum fressen Schildkröten Plastik?

In den Kanarischen Gewässern kommen vor allem Lederschildkröten und Unechte Karettschildkröten vor. Die Lederschildkröte ernährt sich von Quallen und gelatineartigem Plankton. Sie verwechseln Plastik leicht mit ihrer Beute und fressen es unfreiwillig. Die Unechten Karettschildkröten sind hingegen von Natur aus sehr neugierig und beißen deshalb so manches an, was ihren Weg kreuzt und nehmen auf diese Weise Plastik zu sich. Manchmal geschieht es, wie bei der Lederschildkröte, auch unfreiwillig. Denn zwischen dem Plastik halten sich oft kleine Fische und Krebstiere auf, die zur Nahrung dieser Meeresschildkröte gehören. Beim Zuschnappen fressen sie dann auch Plastik mit. Sogar Mikrofiberreste von synthetischen Kleidungsstücken wurden schon im Körper von Meeresschildkröten festgestellt. Sie lösen sich beim Waschen von der Kleidung und sind so klein, dass sie nicht von Kläranlagen herausgefiltert werden können. Irgendwann landen sie dann im Meer. Unterschieden wird nach Mikro-Plastik-Teilen die kleiner als fünf Millimeter sind und Makro-Plastik-Partikeln mit mehr als fünf Millimetern. Außerdem wird untersucht, ob das Plastik marinen Ursprungs ist, wie es beispielsweise bei Fischernetzen der Fall ist, oder vom Land ins Meer gespült wurde, wie zum Beispiel Plastiktaschen aus dem Supermarkt.

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