200 Flüchtlinge werden auf die Straße gesetzt

200 Flüchtlinge werden auf die Straße gesetzt

Eine Menschen-Karawane von 200 Flüchtlingen unter der Führung der Nationalpolizei, in Richtung Ausgang.

GRAN CANARIA | Die Erkenntnis, dass Menschen ohne einen Grund nicht festgehalten werden dürfen, ist dem Innenminister Fernando Grande-Malaska nun wohl wieder in Erinnerung gekommen. Nur die Umsetzung dieser Aktion hätte anders organisiert werden müssen. Die Nationalpolizisten begleiteten heute rund 200 Flüchtlinge vom Hafen in Arguineguín auf die Straße, heraus aus dem „Lager der Schande“ auf Gran Canaria. Alle Flüchtlinge wurden ohne Lebensmittel, Wasser oder irgendeine Anlaufstelle auf ausgesetzt.

Die Bürgermeisterin Onalia Bueno fragte einen der Nationalpolizisten, ob die Flüchtlinge nicht in das Lager im Barranco Seco transportiert werden können und wer ihnen mit den Übersetzungen hilft. Die Antwort der Nationalpolizei war strikt und bestimmend: „Der Befehl lautet, raus aus dem Hafen“, während der Polizist auf den Ausgang zeigt. Der Sicherheitsrat von Mogán, Mencey Navarro, erklärte gegenüber EFE, dass nach Bekanntgabe der Ausfuhr aus dem Lager sofort Busse organisiert wurden. Diese haben die rund 200 Flüchtlinge nach Las Palmas, in die Region Plaza de la Feria gebracht, wo sich das Konsulat von Marokko befindet. Die Kanarische Regierung hat zu dieser Handlung bislang noch keine Stellung genommen, es scheint, dass diese Anordnung direkt vom Innenminister an die Nationalpolizei übertragen wurde. Alle Anwesenden vor Ort wie die Bürgermeisterin, die Einsatzleiter des Roten Kreuzes und Angehörige von Salvamento Marítimo, waren überrascht und es schien, als würden sie vor vollendeten Tatsachen stehen. Die Nationalpolizei verweist weiterhin auf die Delegationsstelle der Behörde.

Das Kanarische Innenministerium sagte bereits vor Wochen, dass die Flüchtlinge aufgrund der aktuellen Corona-Situation und der ausstehenden Testergebnisse, legal festgehalten werden können. Nach bekannten Aussagen gegenüber EFE sagte das spanische Innenministerium, dass alle Flüchtlinge, die heute den Hafen verlassen durften, die gleichen gesundheitlichen Kontrollen durchlaufen haben, wie die Einheimischen.

Die Gewerkschaft der Polizei befürwortet dieses Vorgehen überhaupt nicht. „Migranten dürfen nicht ohne Unterkunft und Verpflegung einfach so auf die Straße gesetzt werden“, so ein Sprecher der Gewerkschaft. Eine solche Situation kann zu sozialer Ablehnung und zunehmendem Migranten-Hass führen sowie zu Unsicherheit bei den Bürgern. Derzeit sind rund 2.600 Flüchtlinge am Hafen von Arguineguín eingepfercht, wobei Salvamento Marítimo heute erneut weitere 190 Personen gerettet hat. Das Militär ist noch immer nicht bereit, im Barancco Seco Flüchtlingslager, Menschen aufzunehmen. Es soll Platz für 800 Migranten bieten, verfügt jedoch lediglich über 200 Schlafplätze.

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