Ist jetzt die beste Zeit für einen Hauskauf in Spanien?

Ist jetzt die beste Zeit für einen Hauskauf in Spanien?

Der Immobilienmarkt während der aktuellen Lage in ganz Spanien, lässt Überraschungen offen.

SPANIEN | Der Ausbruch der Pandemie im Frühjahr hat einige Wirtschaftssektoren lahmgelegt. Als der Alarmzustand das Leben der Spanier auf nicht viel mehr als das Abdecken der Grundbedürfnisse reduzierte, wurde eins klar: Die Menschen brauchen vor allem soziale Kontakte, Arbeit, ein Zuhause. Bei letzterem stellt sich die Frage, inwiefern der Immobilienmarkt von der Krise betroffen ist: Müssen potenzielle Käufer Angst haben, dass Banken keine vernünftigen Finanzierungen mehr gewähren? Oder kann man sich durch das sinkende Bruttoinlandsprodukt bald richtige Schnäppchen ergattern?

Gerade als das ganze Land Hausarrest bekam wurde vielen Menschen klar, wie wichtig das eigene Heim ist. Ein Balkon oder eine Terrasse waren plötzlich Gold wert, da sie die einzige Möglichkeit boten, eine längere Zeit an frischer Luft verweilen zu können.

Die Angst vor einem weiteren Lockdown bleibt bestehen, gerade an Orten, die noch viele Neuinfektionen haben. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat erst Ende August daran erinnert, dass der Alarmzustand jederzeit erneut beantragt werden kann.

 

Sich jetzt das Heim der Träume zu sichern macht theoretisch Sinn, auch als Geldanlage und Altersvorsorge. Fotocasa Research hat festgestellt, dass aktuell 22 Prozent der Spanier ein Heim zum Kauf oder zur Miete suchen. Doch auch die Angst vor Arbeitslosigkeit spielt eine große Rolle. Banken könnten ihre Darlehensraten erhöhen, sowie ihre Kriterien verschärfen, wem eine Finanzierung gewährt wird. Wer einen von der Krise unberührten Job und genug Rücklagen hat, wird davon nicht betroffen sein, doch bei einem Großteil der Bevölkerung ist das nicht der Fall.

Wie sieht es also aktuell auf dem spanischen Immobilienmarkt aus?

Durch den Wirtschaftscrash sinken die Immobilienpreise um bis zu zehn Prozent. Dabei winken zudem niedrige Zinsen. Die meisten Experten erwarten eine weitere Abnahme des Bruttoinlandsprodukts. Wenn das dann auch den Hausmarkt betrifft, könnten Immobilien in der kommenden Zeit noch günstiger werden.

Gerade im Bereich der Kosten gilt es bei Immobilien vieles in Betracht zu ziehen, was nicht bereits im Kaufpreis enthalten ist. Neben der Hypothek kommen Notarkosten, Steuern und Registereinträge auf den Käufer zu. Die monatliche Finanzierungsrate der Hypothek sollte nicht mehr als 30-35 Prozent des Haushaltseinkommens betragen. Residenten bekommen bis zu 80 Prozent finanziert, müssen also 20 Prozent Eigenkapital mitbringen. Wer allerdings noch kein Bewohner Spaniens ist, bekommt meistens nur bis zu 60 Prozent finanziert. In jedem Fall ist es wichtig abzuwägen, welche Optionen man zur Finanzierung hat und diese sorgfältig miteinander zu vergleichen.

Der Notar wird anschließend den Hypothekenvertrag der Bank vor der Unterschrift anschauen und dem Käufer die Konditionen erklären, falls etwas Wichtiges ausgelassen wurde. Danach gibt es eine 10-Tage-Frist, in der man den Vertrag in Ruhe durchlesen und entscheiden kann, ob alles passt und man die Konditionen der Bank annehmen möchte.

Wenn man seine Traumimmobilie gefunden hat ist der nächste Schritt unangenehm, aber notwendig: seinen Traum zu zerstören. Kein Haus ist perfekt – und diese Imperfektionen sollte man bestenfalls vor dem Kauf kennen.

Durch die Pandemie finden Hausbesichtigungen allgemein nur noch mit Termin statt. Wer aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der Entfernung nicht persönlich vorbeikommen kann, hat bei vielen Immobilienfirmen die Möglichkeit einer virtuellen Führung. Dazu gibt es teilweise 3D-Abbilder des Hauses, die mit einer 360-Grad-Kamera geschossen und online gestellt wurden. Auch Luftaufnahmen der Immobilie werden angeboten. Wer die Möglichkeit einer persönlichen Besichtigung hat, sollte auf einige Dinge achten. Lautstärke sowie Pendelzeiten zur Arbeit und zu Einkaufsmöglichkeiten können sich je nach Uhrzeit ändern. Deshalb ist es sogar sinnvoll, sein potenzielles Haus mehrmals am Tag zu besuchen, um zu sehen, wie sich die Situation ändert, vor allem wenn man lärmempfindlich oder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Man kann sich zudem von Architekten, Elektrikern oder Gutachtern begleiten lassen, die Schäden vor dem Kauf erkennen können.

Zudem sollte kein Cent bezahlt werden bevor man nicht eine Bestätigung der Immobilienregistrierung gesehen hat, die bezeugt, dass der jeweilige Verkäufer offizieller Besitzer des Hauses ist. Diese Bestätigung kann man im Internet beantragen. Die “Nota Simple” kostet 9 Euro plus Mehrwertsteuer und kommt normalerweise innerhalb von 24 Stunden. Die meisten Makler bieten das Beantragen dieser kostenlos an. Wer sich vorher nicht richtig informiert könnte mit seinem neuen Haus nämlich auch ein Embargo kaufen.

Wenn eine Entscheidung getroffen wurde kommt es schlussendlich zum Kaufvertrag. In Spanien sind als Anzahlung bei privat schriftlichen Verträgen die sogenannten “arras penitenciales” gängig. Sie bieten beiden Seiten bis zum notariellen Vertrag ein Rücktrittsrecht. Damit wird unterschrieben, dass der Interessent die Anzahlungssumme verliert, wenn er vom Kauf zurücktritt. Das sind normalerweise zehn Prozent des Verkaufspreises. Wenn aber der Verkäufer nach der Anzahlung vom Verkauf zurücktritt, muss er dem Interessenten das Doppelte der Anzahlung zurückzahlen.

Der neue Besitzer sollte nach Kaufabschluss schnellstmöglich registriert werden. Solange der alte Name noch registriert ist, können weiterhin Belastungen und Embargos auftauchen.

Wer sich im Endeffekt zu einem Kauf entscheidet, sollte wegen Corona zusätzliche Fragen beantworten können: Wird man weitere Familienmitglieder aufnehmen? Steht ein Berufswechsel in Aussicht? Was passiert mit der Immobilienfinanzierung, wenn ein Teil des Einkommens wegbricht?

Sind diese pandemischen Variablen geklärt bleibt es im Grunde dabei, sich Zeit mit der Immobiliensuche zu nehmen und nichts zu überstürzen. Makler können dabei helfen, die Traumimmobilie zu finden. Doch die richtige Entscheidung kann am Ende nur einer treffen – der Käufer.

Quellenangaben

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