Säureangriff auf die Ex-Freundin in Málaga

Säureangriff auf die Ex-Freundin in Málaga

„El Melillero“ war nach dem Säureangriff vier Tage auf der Flucht und verwickelte Polizisten in zwei Verfolgungsjagden.

Málaga 🇪🇸 | „Wenn ich dich nicht haben kann, kann dich niemand haben“ – diesen Satz, der einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt, hörte mutmaßlich die 26-jährige Sandra kurz bevor ihr Ex-Freund ihr Säure ins Gesicht spritzte. Das ehemalige Paar war sechs Monate zusammen. Die Trennung war vermutlich der Auslöser für den gewalttätigen Angriff.

Dieser fand am 12. Januar bei einem Zebrastreifen in Cártama statt. Augenzeugen berichteten, dass das Ex-Paar aus den jeweiligen Autos ausgestiegen war und sich unterhielt, bis er sie mit einer Flasche Säure übergoss. Auch ihre 28-jährige Freundin Cristina, die dabei war, bekam etwas ab. Er warf die Flasche auf den Boden, setzte sich zurück in sein Auto und raste mit voller Geschwindigkeit davon.

José Arcadio, auch „El Melillero“ genannt, soll nicht allein gehandelt haben. Augenzeugen nach fuhr eine andere Person nach dem Angriff den Wagen. Die Ermittler warten noch auf Analyseergebnisse von DNA und Fingerabdrücken. Bevor Sandra ins Krankenhaus kam, teilte sie den Beamten jedoch selbst mit, dass der Säureangriff durch ihren Ex-Freund stattfand.

Große Verfolgungsjagd nach Säureangriff

Nach dem Angriff auf Sandra war „El Melillero“ tagelang auf der Flucht. Laut Polizeiangaben wollte er vermutlich das Land verlassen. Den Wagen, der laut Augenzeugen beim Angriff gefahren wurde, entdeckte man bei Alto de las Pedrizas. Darauf folgte eine Verfolgungsjagd auf mehr als 200 km/h. Bis zu 20 Polizeiwagen fuhren dem Auto hinterher. Bei Higueron errichteten Polizisten eine Blockade, um dem Fahrer den Weg abzuschneiden. Dieser versuchte sie mit voller Geschwindigkeit zu durchbrechen. Einer der Polizisten musste aus dem Weg springen, um nicht erfasst zu werden. Vorab hatte er allerdings eine Kugel abgefeuert, die den Tank mit der Kühlflüssigkeit getroffen hat. Deshalb musste der Verfolgte zu Fuß weiter fliehen. Er entkam den Beamten.

Vergangenen Donnerstag, nach vier Tagen auf der Flucht, wurde der 26-Jährige dann verhaftet. Polizisten entdeckten Arcadio zwischen Mijas and Alhaurin El Grande auf einem Motorrad und begannen die nächste Jagd. Nachdem er vom Motorrad gefallen war, floh er erneut zu Fuß. Er soll sich dann in einem Ferienhaus versteckt haben, welches von Beamten umzingelt wurde. Dort fand die Verhaftung statt. Für dieses Unterfangen wurden die Polizeieinheiten aller umliegenden Gemeinden aktiviert. Beamte aus Mijas, Coín, Alhaurín el Grande und Fuengirola waren bei der Verfolgung dabei. Auch Helikopter waren im Einsatz.

„El Melillero“ ist nun in Untersuchungshaft und wurde wegen zwei Fällen von versuchtem Mord angeklagt. Die Guardia Civil durchsucht seinen Familien- und Freundeskreis, um weitere Mitwisser zu finden. Bisher haben sie sieben Verhaftungen durchgeführt, unter anderem von seinem Bruder. Drei Personen sollen ihm ein falsches Alibi gegeben haben. Eine weitere Person hat Arcadio während der Verfolgungsjagd geholfen, indem sie auf einem Motorrad die Beamten in die Irre führte.

Zustand der Opfer nach Säureangriff kritisch

Sandra wurde nach dem Säureangriff per Helikopter in das Hospital Virgen del Rocío in Sevilla gebracht. Sie ist in kritischem Zustand. Die chemischen Brandwunden werden auf der Intensivstation behandelt. Fast 50 Prozent ihres Körpers wurde von der Schwefelsäure verätzt. Den behandelnden Ärzten zufolge hat sich bisher aber keine der tiefergehenden Wunden infiziert. Auch Verletzungen der inneren Organe konnten inzwischen ausgeschlossen werden. Ihre Freundin Cristina ist im Regionalkrankenhaus in Málaga. Ihr Zustand ist stabil, doch auch sie muss auf der Intensivstation behandelt werden. Den meisten Schaden hat ihr Gesicht und ihr Unterkörper abbekommen. 25 Prozent ihres Körpers sind von der Säure verätzt worden.

Säureangriffe gibt es Tausende jedes Jahr

Acid Survivors Trust International (ASTI)  versucht dieser Art von Angriffen ein Ende zu machen. Laut ihnen sind meist Frauen betroffen, es gibt tausende Fälle jedes Jahr. Vor allem in Gemeinschaften, in denen wenig Gleichberechtigung herrscht. An der Spitze steht Indien, wo eintausend Personen jedes Jahr Sandras Schicksal teilen. Meist dient die Säure der Vergeltung nach einem abgelehnten Heiratsantrag.

Auch in Südamerika und Afrika sind solche Angriffe leider keine Seltenheit. Sogar in Europa kommt es teilweise zu bis zu 3.000 Säureangriffen im Jahr, überwiegend in Großbritannien und Italien.

Laut Ángeles Carmona von Observatorio contra la Violencia Doméstica (Beobachtungsstelle gegen häusliche Gewalt) gab es in Spanien in den letzten 20 Jahren nur sechs nachgewiesene Angriffe. Bei diesen geht es nicht nur darum, das Opfer zu verletzen. Es soll seiner Schönheit beraubt werden und mit jedem Blick in den Spiegel an die grausame Tat denken.

„Säureangriffe sind die Resultate von roher Gewalt gegen die Würde von Frauen, eine furchtbare Markierung, die bleibt.“, so Carmona.

Quellenangaben

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