Demos gegen Flüchtlingslager und Freiheitsentzug

Demos gegen Flüchtlingslager und Freiheitsentzug

Demonstranten in La Laguna halten Plakate und Nachrichten wie „Immigration ist kein Verbrechen“ und „Frontex tötet“ in die Luft.

TENERIFFA 🇮🇨 | Bewohner im Flüchtlingslager Las Raíces, eine alte Kaserne bei La Laguna, protestieren weiterhin gegen die schlechten Bedingungen in der Unterkunft. Seit der Eröffnung des großen Lagers Ende Januar steht es in der Kritik. Schon fast einem Monat campen mehrere Bewohner aus Protest vor der alten Kaserne, um bessere Konditionen und die Möglichkeit einer Weiterreise aufs Festland zu fordern.

Vorletzten Samstag gab es eine Demonstration in La Laguna, bei der sich Bewohner der Lager Las Raices und Las Canteras auf der Plaza del Adelantado vor dem Rathaus versammelten, um für bessere Bedingungen und Freiheit zu protestieren. Sie wollen die Kanaren verlassen und haben teilweise Familie in Europa, es werden aber kaum Transfers aufs Festland durchgeführt. Laut Angaben der Lokalpolizei nahmen über 1.200 Personen an der Demonstration teil. Die Veranstaltung war ordnungsgemäß angemeldet, der Mindestabstand und die Maskenpflicht wurden aber nicht von allen Teilnehmern beachtet, was zu Beschwerden von Anwohnern führte.

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"Weißt du, was hier passiert?" fragt ein Schild am Eingang des improvisierten Zeltlagers, welches auf die Zustände in Las Raíces aufmerksam machen soll / Quelle: JLR

Bewohner verlassen das Flüchtlingslager Las Raíces

Die Bewohner des Flüchtlingslagers, welches sie aus Protest vor Las Raíces errichtet haben, berichten von harten Nächten: Zu der Kälte kommt eine Luftfeuchtigkeit bis 100 Prozent und es regnet regelmäßig. Circa 60 junge Migranten bleiben trotzdem lieber in Zelten, als zurück in das Lager zu gehen. Dort gibt es laut ihrer Aussage nicht genug Essen, kein heißes Wasser und kein Internet-Signal, um ihre Familien zu kontaktieren.

Die Wetterbedingungen und der Nahrungsmangel sind ihrer Ansicht nach die Hauptursachen für Spannung im Lager. Das Essen sei von schlechter Qualität und knapp. Dazu kommt, dass es keine Organisation bei der Ausgabe des Essens gibt: Es kommt zu Kämpfen, auch Sicherheitspersonal wird angegriffen. Innerhalb des Lagers kommt es immer wieder zu Verhaftungen.

Roberto Mesa, ein ehrenamtlicher Helfer der Plattform Asamblea de Apoyo a Migrantes de Tenerife, sprach ebenfalls die schlechten Bedingungen im Flüchtlingslager Las Raíces an. Laut ihm gibt es „zwei Krankenschwestern für 1.500 Menschen, die sie nicht bewältigen können. Die Behandlungen werden nicht durchgeführt und es gibt keine Medikamente.”

Roberto Mesa ist einer der freiwilligen Halfer im Flüchtlingslager Las Raíces auf Teneriffa. / Quelle: JLR
Roberto Mesa ist einer der freiwilligen Halfer im Flüchtlingslager Las Raíces auf Teneriffa. / Quelle: JLR

Keine Transfers – Flüchtlinge auf freiwillige Helfer angewiesen

Flüchtlinge aus dem Senegal, die im improvisierten Zeltlager leben, kritisieren zudem den Mangel an Transfers. „Wir wollen abreisen und sie lassen uns nicht. Niemand erklärt uns den Grund, warum sie uns auf den Kanaren gefangen halten”, sagte einer der Bewohner in kanarischen Medien. „Wir sind hier draußen, um zu sehen, ob wir sie auf diese Weise dazu bringen können, uns unseren Weg gehen zu lassen.“

In ihren Heimatländern wurde ihnen versprochen, dass eine Weiterreise von den Kanaren aus problemlos verlaufen würde. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Kanarische Politiker fordern seit Monaten die Mithilfe der Zentralregierung und der EU. Sie bitte um mehr Flüchtlingstransfers, da die Inseln nicht die nötigen Ressourcen und Infrastrukturen haben, um so viele Personen aufnehmen zu können. Die Europäische Kommission jedoch sagte, dass die spanische Zentralregierung das letzte Wort hat, was Transfers angeht.

Das Wohlergehen der Einwanderer, die sich für eine Unterbringung im Flüchtlingslager außerhalb von Las Raíces entschieden haben, liegt nun großteils in den Händen von freiwilligen Helfern.

„Wir hungern. Viele Leute kommen, um uns zu helfen, sie bringen uns Kleidung, Decken und Essen. Es ist diesen Menschen zu verdanken, dass wir nicht verhungert sind”, sagte ein weiterer Migrant aus dem Senegal. Anwohner aus mehreren Regionen der Insel fahren täglich zum Flüchtlingslager, um warme Sachen und Essen dazulassen und den Flüchtlingen ein wenig Zeit zu schenken.

Quellenangaben

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