Experten fürchten mehr Insolvenzen in Spanien

Experten fürchten mehr Insolvenzen in Spanien

Gerade kleine Unternehmen und Selbstständige werden stark von der Wirtschaftskrise getroffen.

SPANIEN | Trotz Maßnahmen der Regierung wie ERTE und der Befreiung von der Konkursantragspflicht wird der Herbst 2020 nach Expertenmeinung mehr Unternehmensinsolvenzen mit sich bringen.

Laut der Consultingfirma Solunion sind Firmeninsolvenzen in der ersten Hälfte von 2020 trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise dieses Jahrhunderts um 25 Prozent gefallen. Doch diese Situation nähert sich dem Ende: Bankrottfälle und Insolvenzverfahren sollen sich ab dem Herbst vermehren.

Gerade Selbstständige, die zum Anfang der Krise einen Kredit mit einer Rückzahlungsfrist von sechs Monaten aufgenommen hatten, werden im Oktober Schwierigkeiten haben.

Laut Enrique Cuadra hat Solunion schon seit Juni vermehrt Geschäftsinsolvenzen beobachtet. Seiner Prognose nach werden die Insolvenzen bis Ende des Jahres im Vergleich zu 2019 um 10 Prozent steigen.

Die Prognosen der Kredit- und Kautionsversicherung sehen noch schlimmer aus: Solvenzprobleme spanischer Firmen seien in diesem Jahr um 30 Prozent gestiegen, mehr als bei internationalen Unternehmen. Der allgemeine weltweite Anstieg liegt bei 26 Prozent. Das liegt vor allem an den strengen Social-Distancing-Regeln, die Spanien betreffen und voraussichtlich noch für eine längere Zeit im Einsatz sein werden.

Insolvenzverfahren haben sich bis dato allerdings nicht stark vermehrt: Beim Atlas Concursal 2020 gab REFOR (vom Generalrat der Ökonomen) an, dass die Anzahl der Insolvenzverfahren mit rund 4.400 Fällen dieses Jahr sehr ähnlich zu 2019 ist.

Justizminister Juan Carlos Campo hatte letzten Mai angegeben, dass Insolvenzverfahren in 2020 vermutlich um 31% steigen werden. In 2021 sogar um 140 Prozent. Das wären 50.000 Fälle im nächsten Jahr. Diese Zahl bezieht aber auch alle Fälle ein, die privat und nicht durch Gerichtsverfahren gelöst werden.

In der ersten Hälfte von 2021 sollen Insolvenzen vor allem im Dienstleistungsbereich, Tourismus und bei Selbstständigen auftreten. Im folgenden Jahr könnten die Insolvenzen sogar um 20 Prozent steigen. Der Exportbereich wird auch seine Schwierigkeiten haben.

Eine Lösung, wie vorgeschlagen vom internationalen Währungsfonds, wären bessere Konditionen, um die Insolvenz abzuwenden. Dazu gehören längere Rückzahlfristen und geringere Zinsen. Das sollte allerdings nur kleine und mittlere Unternehmen betreffen, die einen kleineren Handlungsspielraum haben. Das hätte auch positive Auswirkungen auf Banken und öffentliche Gelder.

Valentín Pich, Präsident der Generalrat der Ökonomen, sagte, dass die Entwicklung der Lage auch stark davon abhängt, ob mit der Hilfe anderer europäischen Länder zu rechnen ist.

Quellenangaben

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